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Der Absolventenreferentin zuGEHÖRT
Susann Mayer

© iberarte.com
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Cambia lo superficial
Cambia también lo profundo
Cambia el modo de pensar
Cambia todo en este mundo

(Es ändert sich das Oberflächliche
Es ändert sich auch das Tiefsinnige
Es ändert sich die Denkweise
Es ändert sich alles auf dieser Welt)

Ich sehe sie vor mir, La Negra, wie Mercedes Sosa liebevoll von ihren Landsleuten genannt wurde, mit den Anfangstakten dieses Liedes auf die Bühne kommend. Klein und gedrungen, einen Arm liebevoll-vehement zum Publikum streckend. So energiegeladen klingen auch ihre Lieder auf der CD „30 Años (1993)": Interpretationen der Stücke anderer lateinamerikanischer Musiker des „Nueva Canción" (Neues Lied), dessen argentinische "Fraktion" sie Anfang der 1960er mit ihrem Mann gründete.

Ihre Lieder berühren und rütteln auf. Ungeheuer kraftvoll und zugleich sensibel besingt sie die argentinische sonnendurchglühte Erde. Sie schaukelt das kleine Kind mit Victor Jaras „Duerme Negrito" in den Schlaf, während dessen Mutter die Früchte vom Feld mitbringt. Sie trauert in Silvio Rodriquez „Unicornio" dem geliebten blauen Einhorn nach, das gestern ging und sie gern wieder finden würde. Und in Julio Numhausers „Todo cambia" besingt sie die Vergänglichkeit des Lebens und die Beständigkeit mancher Gefühle.

Das Lied beginnt mit ihrer zunächst verhaltenden Stimme zu den Klängen der Gitarre, eine Panflöte untermalt die Sehnsucht: „Es ändert sich das Klima mit den Jahren. Es ändert der Schäfer seine Herde ... Es ändert der feinste Brillant, von Hand zu Hand seinen Glanz. Es ändert der Vogel sein Nest." Die Stimme La Negras steigert sich, sie schöpft aus der Tiefe und das Charango kommt hinzu. Bittend beschwört sie im Refrain die Liebe zum Vaterland, zu den Menschen dort. Er geht mir auch nahe durch das unnachahmliche Timbre von Sosas Stimme: „Aber meine Liebe ändert sich nicht. Wie weit weg ich mich auch befinde. Genausowenig ändert sich die Erinnerung, noch der Schmerz meines Landes, meines Volkes."

In Violeta Parras „Gracias a la vida" (Dank an das Leben) verneigt sie sich vor den wertvollen Alltäglichkeiten des Lebens und dankt für das Viele, was ihr gegeben wurde.

Ich sage Gracias zu Mercedes Sosa, der „Stimme Lateinamerikas", die es wie keine andere vermochte, die emotionsgeladene Tiefe und Poesie der Musik ihres Kontinents unserem Europa nahe zu bringen. Und die 2009 verstummte.

Ein Muss der visuellen Art: „Será posible el sur" (1985): Eine musikalische Reise durch die atemberaubende argentinische Landschaft mit Mercedes Sosa, diesen Film gibt es auch deutschsprachig.