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Anja Centeno García
Sprach- und Kulturwissenschaftlerin M.A.
Beratung/Coaching/Training
Tel./Fax: +49 351 3225792

anja.garcia@web.de

Absolventenporträts

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Helferin beim Brückenschlag
Dagmar Möbius

Nach ihrer Ausbildung als Erzieherin leitete Anja Centeno García ein Straßenkinderprojekt in Nicaragua. Den Traum vom Studium erfüllte sie sich neben ihrer Arbeit in einer Jugendwohngruppe. Heute arbeitet die Sprach- und Kulturwissenschaftlerin als freiberufliche Dozentin und Kommunikationstrainerin. Auch an der TU Dresden.

© privat (2): Anja Centeno García
© privat (2): Anja Centeno García
Dass die gebürtige Dresdnerin 1990 18-jährig nach Herford ging, hatte persönliche Gründe. Die Berufswahl dagegen war logisch – „Pädagogisch-Didaktisches liegt mir." An der Kollegschule „Anna Siemsen" legte sie ihr Abitur ab und absolvierte eine Berufsausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Warum gerade Erzieherin? „Ich wollte elternunabhängig sein und als machbare Alternative hätte es dort nur Freizeitsport gegeben – das war nicht meins", lacht die 39-Jährige. In vier Jahren lernte sie bereichsübergreifende Erziehung von der Kita bis zur Heimpädagogik kennen.

Schon während der Ausbildung hatte sie auf Jugendbegegnungsreisen Kontakte ins nicaraguanische Condega geknüpft, das mit Herford durch eine Städtepartnerschaft verbunden ist. „Ich wollte unbedingt länger als sechs Wochen in das Land", blickt Anja Centeno García zurück. Sie bewarb sich um eine finanzielle Unterstützung bei der Carl-Duisberg-Gesellschaft, die die ersten Monate im Land realisieren half. Zweieinhalb Jahre, bis 1997, arbeitete sie als Erzieherin und Koordinatorin im sog. INPRHU-Straßenkinderprojekt in Condega. „In dem kleinen Zentrum lernen Kinder zum Beispiel in einer Kerzenzieh- oder Schneiderwerkstatt handwerkliche Fähigkeiten", erzählt sie. Auch Alphabetisierungskurse wurden angeboten. Streetwork und Weiterbildungsprogramme für Lehrer zu unterschiedlichen Themen gehörten zu Anja Centeno Garcías Tätigkeiten. Ebenso wie die Koordination internationaler Solidaritätsprojekte. Spanisch konnte sie schon vorher. Heute spricht sie es fließend.

Das beeindruckendste Erlebnis in dem lateinamerikanischen Land war ein Persönliches: die Geburt ihrer Tochter. „Weil so ein Ereignis mit einer viel größeren Selbstverständlichkeit als hierzulande verbunden ist." Überhaupt war sie von der Energie und dem Pragmatismus der Frauen, wie sie an Probleme herangehen, begeistert. „Ob diese Kultur des Machens heute noch so ist, weiß ich aber nicht", schränkt sie ein. Ihre eigene Rückkehr nach Deutschland bezeichnet die Sprach- und Kulturwissenschaftlerin als turbulent. Sie hätte sich vorstellen können, noch länger in Nicaragua zu bleiben, wenn sie nicht gesundheitliche Gründe zum Abbruch gezwungen hätten. Zurück in Dresden betreute sie als Erzieherin eine Jugendwohngruppe des Diakonischen Werkes. „Der Plan zu studieren war immer da", berichtet sie, „nach einer Weile als Erzieherin wurde er wesentlich deutlicher."

Zunächst schrieb sich Anja Centeno García an der FernUniversität in Hagen für Volkswirtschaftslehre, Erziehungswissenschaften und Literaturwissenschaften ein. „Eine ziemlich wilde Kombination", schmunzelt sie. Nach zwei Semestern stellte sie jedoch fest: „Ich bin eher der Präsenztyp." Sie wechselte an die TU Dresden und studierte von 2000 bis 2005 Deutsch als Fremdsprache und Romanistik. „Das Direktstudium war eine logistische Herausforderung", blickt die anfangs alleinerziehende Mutter zurück. „Mit gutem Zeitmanagement kann man viel schaffen", hat sie erfahren. Ihr unregelmäßiger Dienst bot ihr so viel Flexibilität, dass sie zwei Studientage pro Woche einrichten konnte. Das Interkulturelle beeinflusste sie am meisten: Sie empfindet es noch heute als solide Basis.
Ihren Professoren Dagmar Blei, Maria Lieber und Norbert Rehrmann (†) fühlt sie sich dankbar verbunden. „Dagmar Blei engagierte sich stark für die Nachwuchsförderung, Maria Lieber fand kreative Lösungen, um eine interessante und fachübergreifende Lehre zu gestalten, und Norbert Rehrmann regte das interdisziplinäre Denken an", würdigt sie.

Mit Gastfamilie in Condega
Mit Gastfamilie in Condega
Noch während des Studiums war Anja Centeno García als Tutorin im Fachbereich Deutsch als Fremdsprache an der TU Dresden sowie am Institut für Romanistik tätig. Sie war Sprachlehrerin im Dresden Program der Boston University und hatte 2006 einen Lehrauftrag am Institut für Romanistik der TU Dresden. Von 2006 bis 2008 beschäftigte sie sich als wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur für Kulturwissenschaften Spanien/Lateinamerika mit dem Thema „Was ist professionelles Handeln in der Kulturwissenschaft?" Ihre Dissertation untersucht die Qualität von sprachwissenschaftlichen Texten. Auch eine Herausforderung, denn: „Ich habe nie ausschließlich geforscht." Dennoch hat die Fertigstellung momentan oberste Priorität.

Seit 2009 arbeitet Anja Centeno García vorwiegend freiberuflich als Dozentin, Coach und Kommunikationstrainerin. An der SRH Hotel-Akademie unterrichtete sie Kommunikation, Deutsch und Projektmanagement. Weil die Auftragslage immer mehr zunahm, kündigte sie die Teilzeitstelle. Der Bezug zur Hotellerie bleibt ihr dennoch weiterhin wichtig. So betreut sie neben kleineren Hotels auch die Berufsakademie Sachsen. „Die Vernetzung Lehre – Praxis ist spannend", sagt sie. An der Uni fehle das in manchen Bereichen. Am Zentrum für Weiterbildung der TU Dresden gibt sie zahlreiche Kurse im Rahmen des Hochschuldidaktik-Programms „Fit für die Lehre".

Die oft als Laborwissenschaft verschriene Kunst- und Sprachwissenschaft muss keine brotlose Kunst sein, ist Anja Centeno García sicher. Solides Fachwissen, analytisches und systemisches Denken, das Entwickeln von Perspektiven und kritisches Hinterfragen hält sie für unabdingbar, um sich als Beraterin gut in neue Themen einarbeiten zu können – frei nach dem Grundprinzip: Man muss wissen, was man tut.

„Ich verstehe Didaktik als Brücke zwischen der Sachlogik des Fachs und der Psychologie des Lernenden. Es ist mein Job, bei diesem Brückenschlag zu helfen", erklärt sie.
Geisteswissenschaftler müssten überlegen, welchen Branchenbezug sie entwickeln können, um allgemeine Theorien transferieren zu können. Weil es für Kunst- und Sprachwissenschaftler kein klares Berufsprofil gibt, empfiehlt sie Stellenausschreibungen so zu lesen, dass die eigenen Fähigkeiten eingesetzt und „verkauft" werden können. „Wenn man es kann, funktioniert es gut."