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SLUB Dresden
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Dokumenten- und Publikationsserver Qucosa
Michaela Voigt
Tel.: +49 351 4677 281

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Open Access-Service der SLUB

Praxis und Weiterbildung

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Den Doktortitel in der Tasche, aber niemand liest die Diss?
Michaela Voigt und Lukas Oehm

Vielleicht liegt es ja daran, dass nur einige wenige Printexemplare als Pflichtexemplare an die SLUB abgegeben wurden...

Doch dafür gibt es Abhilfe: Dissertationen können auch nachträglich elektronisch veröffentlicht werden. So gibt der Autor anderen Wissenschaftlern weltweit – und womöglich zukünftigen Arbeitgebern – einen tieferen Einblick in die eigene Arbeit.

Nachgewiesen ist, dass eine solche Open-Access-Publikation die Sichtbarkeit von Veröffentlichungen erhöht und so die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihnen. Es wird zudem eine erweiterte Möglichkeit geschaffen, Forschungsergebnisse nachnutzen zu können oder zu lassen. Für die elektronische Veröffentlichung stellt die SLUB den sächsischen Dokumenten- und Publikationsserver Qucosa zur Verfügung. Auf diesem Weg wurden seit 1999 über 2.000 Dissertationen der TU Dresden frei zugänglich publiziert.

Qucosa® ist eine eingetragene Marke der SLUB.
Qucosa® ist eine eingetragene Marke der SLUB.
Zweitveröffentlichung nennt man diese nachträgliche Onlineveröffentlichung, wie sie auch Dr. Marek Hauptmann nutzte: Er publizierte im Frühjahr 2013 seine Dissertation auf Qucosa. Verfasst hatte er sie drei Jahre zuvor an der Professur für Verarbeitungsmaschinen und Verarbeitungstechnik. Seine Arbeit mit dem Titel „Die gezielte Prozessführung und Möglichkeiten zur Prozessüberwachung beim mehrdimensionalen Umformen von Karton durch Ziehen“ erhielt den Young Talent Award der Zellcheming e.V. Dank der Onlineveröffentlichung konnten nun alle, die durch die Auszeichnung darauf aufmerksam wurden, auch tatsächlich auf den Volltext zugreifen. Zuvor war seine Dissertation nur für verhältnismäßig wenige Bibliotheksnutzer in Dresden, Leipzig, Frankfurt a. M., Hannover und Hamburg bzw. über die Fernleihe zugänglich. Dadurch, dass seine Arbeit nunmehr uneingeschränkten Zugang besitzt und einfacher zu finden ist, erhöht sich zugleich die Sichtbarkeit des gesamten Lehrstuhls. So können mittel- und langfristig Wissenschaftsnetzwerke gebildet und neue Projektansätze generiert werden. Besonders im Bereich der Faserstoffe als nachwachsende Rohstoffalternative ist der Forschungsbedarf aktueller denn je. Da der Werkstoff nach wie vor schwierig verarbeitbar ist, sind die Einsatzmöglichkeiten in potenziellen Anwendungsgebieten – wie in der Verpackungstechnik oder dem Automobilbau – begrenzt.

© privat; Dr. Marek Hauptmann nutzte 2013 das Angebot der Zweitveröffentlichung.
© privat; Dr. Marek Hauptmann nutzte 2013 das Angebot der Zweitveröffentlichung.
Es soll die Frage erlaubt sein, warum Dr. Hauptmann denn nicht bereits 2010 auf Qucosa veröffentlichte: Zum einen sollten die Ergebnisse noch in Form von Artikeln in Fachzeitschriften publiziert werden. Dr. Hauptmann dazu: „Ich hatte befürchtet, dass Verlage die eingereichten Artikel nicht mehr als ‚original research‘ betrachten würden, wenn Teilergebnisse im Rahmen meiner Dissertation bereits elektronisch veröffentlicht sind. Das wollte ich natürlich nicht riskieren! Außerdem ist gerade für uns in den industrienahen Ingenieurwissenschaften die Sicherung von Ansatzpunkten für Projekte sehr wichtig.“ Zwar wird Kooperation mit und Akquise von neuen Projektpartnern hoch bewertet, doch ist stets das vorderste Ziel, die Projekte am eigenen Lehrstuhl zu platzieren. Eine entsprechend hohe Sichtbarkeit der Forschungsergebnisse, wie sie durch eine Open Access-Publikation erreicht wird, ist nicht zu jedem Zeitpunkt gewünscht. Gleiches gilt, wenn es um die Sicherung von Patenten geht.

Nun lässt sich darüber streiten, inwiefern die freie Zugänglichkeit von Forschungsergebnissen (insbesondere derer, die durch Finanzierung mit Steuermitteln entstehen) die oberste Priorität haben sollten. Dies ist auch ein hochschulpolitisches Thema. Anliegen der SLUB ist es, den uneingeschränkten Zugang zu Wissen zu fördern, zugleich den Wissenschaftlern selbst bestmögliche Unterstützung zu bieten. Und das bedeutet mitunter auch, individuelle Gründe für die Wahl der Veröffentlichungsform bzw. des -mediums zu berücksichtigen und Alternativen anzubieten. Insofern ist Dr. Hauptmann ein Paradebeispiel für die Vorteile einer Open-Access-Zweitveröffentlichung.

Damit hat er es seinem Doktorvater Prof. Jens-Peter Majschak gleichgetan, der ebenfalls Anfang dieses Jahres seine 1997 abgeschlossene Dissertation auf Qucosa veröffentlichte. Hielt Dr. Hauptmann die elektronische Veröffentlichung noch aus förderpolitischen sowie karrierestrategischen Erwägungen zurück, sind die Gründe bei Prof. Majschak eher praktischer Natur: Der Hochschulschriftenserver HSSS, Vorgänger von Qucosa, ging „erst“ 1999 an den Start. Doch was 1997 noch nicht Publikationsalltag war, muss eben nicht für immer gelten: Open-Access-Publizieren der eigenen Forschungsergebnisse kann auch einige Jahre später noch erfolgen. Dies kann mitunter vielfältige Gründe und Effekte haben:

  • Die Transparenz der eigenen Forschungsarbeit soll durch größtmögliche Zugänglichkeit erhöht werden.
  • Die Autoren gehen als gutes Beispiel für Nachwuchswissenschaftler voran und gestalten damit aktiv die Tradition der Publikationskultur.
  • Es soll ein Beitrag zur freien Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Arbeiten geleistet werden, um es möglich zu machen, die disziplinspezifische Entwicklung und allgemeine wissenschaftsgeschichtliche Aspekte zu erforschen.

So einfach kann es mit der praktischen Umsetzung gehen: Dissertation über Webformular anmelden, unterschriebene Einverständniserklärung (PDF) an die SLUB schicken und warten. Im Durchschnitt wird das Dokument nach ca. drei Werktagen (nach Eingang der Einverständniserklärung) veröffentlicht und ist unter einer stabilen Adresse zugänglich und somit zitierfähig.

Dies gilt nicht nur für Dissertationen, sondern auch für andere Arten von Qualifikationsarbeiten oder wissenschaftlichen Publikationen. Dazu zählen Zeitschriftenartikel, Konferenzbeiträge oder Forschungsberichte. Etwas Vorsicht ist geboten, wenn die Zweitveröffentlichung zuerst in einem Verlag veröffentlicht wurde – mitunter sind hier die Rechte mit dem Verlag zu klären.

Neugierig geworden?
Die Qucosa- und Open-Access-Teams der SLUB Dresden unterstützen Interessierte gern beim Veröffentlichen. Mehr Details auch auf den SLUB-Webseiten, siehe linkes Kontaktfeld.