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Blick unter das Eis der Antarktis
Claudia Kallmeier

Wissenschaftler des Instituts für Kartographie der TU Dresden (TUD) und des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, haben gemeinsam eine 3D-Karte des Antarktischen Kontinents und des umgebenden Südpolarmeers entwickelt.

12.000 Höhenmeter, drei geografische Ebenen, eine Karte: Ein Absolvent der TU Dresden hat mit seiner Diplomarbeit am Institut für Kartographie für eine Sensation in der Fachwelt gesorgt. Mit Unterstützung von Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven hat Lars Radig eine neuartige 3D-Karte des Antarktischen Kontinents und des umgebenden Südpolarmeers entwickelt. Es ist die erste gedruckte Karte überhaupt, die drei geografische Ebenen auf einmal abbildet und sich über eine Objekttiefe von zwölf Kilometern erstreckt: vom Antarktischen Eisschild, zu den darunterliegenden Landmassen, bis hinab zu den Unterwassergebirgen des Südpolarmeeres.

Abbildung: TU Dresden und Alfred-Wegener-Institut/Lars Radig
Abbildung: TU Dresden und Alfred-Wegener-Institut/Lars Radig

Der sogenannte Lentikulardruck ist ein Novum und funktioniert ähnlich wie ein Wackelbild. Den stellenweise fast 4800 Meter mächtigen antarktischen Eisschild haben die Wissenschaftler als türkisfarbene, wabenförmige Gitterstruktur abgebildet. Dadurch kann der Betrachter direkt durch die Waben hindurch auf die Gebirgszüge unterhalb des Eises blicken und sehen, dass sich unter dem antarktischen Eisschild nicht eine geschlossene Landmasse erstreckt, sondern ein zerklüfteter Kontinent mit vielen Inseln und Gebirgen. Neu ist auch, dass sich die tiefenräumliche Erstreckung über die gesamte z-Achse zieht. „Bisher haben wir entweder nur Tiefenbereiche oder im Falle von Weltkarten die entsprechenden Ozeanflächen nur in einer Ebene ohne Tiefenerstreckung abbilden können“, erklärt Lars Radig. Dafür konnte er auf die Daten der Experten für die Vermessung des Meeresbodens, den Bathymetrikern des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven, zurückgreifen.
Ende August wurde die Karte auf der Internationalen Konferenz für Kartographie in Rio de Janeiro der Öffentlichkeit präsentiert. „Sie war das Gesprächsthema auf der Tagung“, berichtet Prof. Manfred Buchroithner vom Institut für Kartographie. „Viele Kollegen, darunter wirkliche Weltspitzenexperten, kamen überschwänglich lobend in der Sache auf mich zu.“

Mit dieser neuen Art der Relief-Darstellung sei den Dresdnern ein internationaler Durchbruch gelungen. „In der Karte stecken über 15 Jahre Entwicklungsarbeit innerhalb der sogenannten Echt-3D-Kartografie“, so Buchroithner.