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TU Dresden
Kulturbüro im Akademischen Auslandsamt
Maria Völzer
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Aus Dresden in die Welt und zurück
Steffi Eckold

Kultur und Dresden gehören zusammen. Im Süden der Stadt wird aus dieser Symbiose Kulturbüro und TU Dresden. Seit vielen Jahren bietet ein am Akademischen Auslandsamt angesiedeltes Team Studenten der Universität ein vielfältiges Kultur- und Freizeitprogramm. Exkursionen ins Dresdner Umland und darüber hinaus, Museumsbesuche, Länderabende, Konzerte und Feste sollen die Begegnung zwischen internationalen und deutschen Studenten fördern und erleichtern. Seit April 2015 werden die Veranstaltungen von TUD-Alumna Maria Völzer organisiert. Ihr (Rück-)Weg zur TU Dresden war dabei mehrere Tausend Kilometer lang.

© Steffi Eckold; Maria Völzer (r.)
© Steffi Eckold; Maria Völzer (r.)

Nach ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin für Digital- und Printmedien studierte die gebürtige Dresdnerin bis 2008 an der TU Dresden Germanistik / Deutsch als Fremdsprache, Romanistik und Kommunikationswissenschaft. „Ich wollte trotz philologischer Ausrichtung eine praktische Ausbildung erhalten, die es mir ermöglicht, zu reisen und verschiedene Länder nicht nur als Touristin, sondern näher und länger kennenzulernen“, erklärt sie. Dass sie dieser Weg nach Russland und Belarus führen sollte, war eher ein Zufall. Schon während des Studiums folgte sie dem Rat eines Dozenten und lernte als weitere Fremdsprache Russisch. „Nach drei Jahren studienbegleitendem Unterricht habe ich verstanden, dass ich ohne längeren Aufenthalt in einem russischsprachigen Land über mein Anfängerniveau nicht hinauskommen werde. So habe ich mich beim DAAD um ein Stipendium beworben und bin in Jekaterinburg gelandet.“

In Russland und Belarus unterrichtete sie als DAAD-Lektorin junge Nachwuchsgermanisten und beriet sie bei der Vorbereitung von Studienaufenthalten in Deutschland, organisierte aber auch Konferenzen und Kulturveranstaltungen. „Seitdem bin ich in langsamen, 1000-Kilometer-Schritten wieder nach Dresden zurückgekommen“, schmunzelt sie und ergänzt: „Dass aus dem ursprünglich geplanten einen Auslandsjahr letzten Endes fünf geworden sind, schreibe ich dem Schicksal zu – an das glaubt man nach spätestens einem Jahr in Russland.“

Nach ihrer Rückkehr nach Dresden 2013 wechselte sie die Seiten und bereitete DAAD-Stipendiaten am Goethe-Institut Dresden auf ihren Studienaufenthalt an einer deutschen Hochschule vor. Diese Erfahrung in der soziokulturellen Integration von Akademikern ist ihr nun bei der Arbeit im Kulturbüro der TU Dresden von großem Nutzen – wie auch die Erfahrung mit DAAD-finanzierten Programmen, ist das STIBET-Programm des DAAD seit vielen Jahren doch die Finanzierungsgrundlage für dieses Angebot. Den Teilnehmern wird Vielfältiges geboten: Im Rahmen des Kulturbüro-Sommerprogramms konnten sie in diesem Jahr unter anderem den Mathematisch-Physikalischen Salon im Zwinger und die Dresdner Elbschlösser besichtigen, vom Turm der Frauenkirche Dresden von oben entdecken und gemeinsam Bautzen, die Sächsische Schweiz mit der Felsenbühne Rathen, aber auch Berlin und Loschwitz erkunden. Dank DAAD-Förderung werden die Veranstaltungen dabei kostengünstiger angeboten, als wenn man sie allein planen würde. Um bei den Veranstaltungen deutschsprachige und internationale Studenten zu vernetzen, spielt nicht zuletzt das Internet eine große Rolle, so betreibt das Kulturbüro eine eigene Facebookseite. „Für mich ist es wichtig, dass die internationalen Studenten nicht in einer parallelen Blase leben und nach dem Aufenthalt in Dresden traurig sind, weil sie nach zwei Jahren hier in Dresden keinen deutschen Freund gefunden haben“, erklärt Maria Völzer. Die Exkursionen mit Führungen und Informationen über historische und gesellschaftliche Hintergründe sind für alle Teilnehmer ein Gewinn. „Auch die deutschen Teilnehmer, die oft aus anderen Bundesländern oder sächsischen Städten kommen, können viel über ihre eigene Kultur verstehen lernen“.

Das Kulturbüro versteht sich aber nicht nur als Anbieter von Exkursionen. Es unterstützt Studenten auch bei der Organisation eigener Veranstaltungen, die auf die Vernetzung internationaler und deutscher Hochschulangehöriger abzielen, zum Beispiel von Länderabenden, bei denen ein Land oder auch ein anderes Thema im Mittelpunkt stehen können. Die Mitarbeiter des Kulturbüros helfen bei der Raumsuche, Werbung und können einen kleinen finanziellen Zuschuss für Ausgaben geben. Nicht zuletzt ist das Kulturbüro auch selbst Veranstalter. Seit August laufen die Vorbereitungen für den Höhepunkt der zweiten Jahreshälfte: die Internationale Weihnachtsfeier am 4. Dezember. Ein kleiner Vorgeschmack gefällig? „Die Feier beginnt mit einem kulinarischen und kulturellen Basar, kulminiert im Weihnachtskonzert mit bunten Beiträgen aus aller Welt und klingt bei der Party im Anschluss aus, bis alle Gäste und Künstler endgültig in Adventslaune sind. Das ist unsere Vision“, fasst Maria Völzer zusammen.

Wer die Germanistin nicht im Kulturbüro der TU Dresden antrifft, wird vielleicht auf der anderen Elbseite in der Neustadt fündig. Für die AG Kurzfilm – seit 2002 die bundesweite Interessenvertretung für den deutschen Kurzfilm – ist sie unter anderem für die  Öffentlichkeitsarbeit zuständig. „Film und Kino waren für mich schon immer magische Orte, die mir neue Welten eröffnet haben“, schwärmt sie und bezeichnet das Kino als ihren „ersten interkulturellen Lernort“. Ihre Verbindung zu Osteuropa bleibt dabei bestehen, so organisiert sie in diesem Jahr beim 45. Molodist International Film Festival in Kiew Workshops für deutsche und ukrainische Kurzfilmschaffende. Einen konkreten Kurzfilmtipp? Hat sie! „In ‚Mensch und Maschine‘ erzählen Silke Brandes und Jens Rosemann in nur 48 Sekunden eine alte und immer wieder neu aufregende Geschichte, die ich unendlich oft gesehen habe und immer wieder sehen kann. Der Film entstand übrigens in Dresden als Beitrag zum Kurzfilmfestival Dogs Bones and Catering im Jahr 2013 zum Thema ‚Ein ungleiches Paar‘.“

Die Tätigkeit auf zwei halben Stellen in Altstadt und Neustadt ist für Maria Völzer eine Herausforderung, aber auch sehr bereichernd und gegenseitig befruchtend. „Ich stehe gerade mit beiden Füßen in den Welten, die mir gefallen: Kultur(schaffen), Wissenschaft und alles in ganz vielen Sprachen“, fasst sie schmunzelnd zusammen.