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Wissenschaft und Technik

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Förderung für Telemedizinische Behandlungsnetzwerke
Dagmar Möbius

Zwei Verbundprojekte der TU Dresden, des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus sowie der Carus Consilium Sachsen GmbH konnten kürzlich Förderbescheide in Höhe von 2,6 Millionen Euro entgegen nehmen.

Die Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Freistaates Sachsen fließen in das Telemedizinische Netzwerk Psychotraumatologie Sachsen (TeleNePS) und das Integrierte Betreuungsportal Multiple Sklerose (IBMS).

© C. Bott; Dr. O. Müller, GF Carus Consilium, Prof. K. Weidner, Direktorin UKD-Klinik/Polikl.Psychotherapie und Psychosomatik, Dr. Julia Schellong, OÄ Psychotraumatologie, B. Klepsch, Sächs. Staatsministerin
© C. Bott; Dr. O. Müller, GF Carus Consilium, Prof. K. Weidner, Direktorin UKD-Klinik/Polikl.Psychotherapie und Psychosomatik, Dr. Julia Schellong, OÄ Psychotraumatologie, B. Klepsch, Sächs. Staatsministerin


Menschen im ländlichen Raum sollen künftig effizienter beraten und therapeutisch auf höchstem Niveau versorgt werden können. „Traumapatienten und Patienten mit Multipler Sklerose erhalten durch diese Projekte unabhängig von ihrem Wohnort Zugang zu einer exzellenten medizinischen Versorgung“, erklärte Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, die die Zuwendungsbescheide überreichte. Das „Telemedizinische Netzwerk Psychotraumatologie Sachsen“ und das „Integrierte Betreuungsportal Multiple Sklerose“ werden an die bestehende Telemedizin-Plattform CCS Telehealth Ostsachsen angebunden. Professor Werner Esswein (Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Systementwicklung), Leiter des Entwicklungsteams der TU Dresden, hob den besonderen Nutzen hervor: „Über ein Patientenportal beziehen wir den Patienten aktiv in seine Versorgung ein und schaffen die Möglichkeit, ihn telemedizinisch zu erreichen und in seiner Therapie zu bestärken.“ Dr. Olaf Müller, Geschäftsführer der Carus Consilium Sachsen GmbH, lobte „den bewährten Dreiklang der drei Partnerinstitutionen“, die ihre Expertise in früheren Kooperationsprojekten bewiesen.

Komplexe MS-Behandlung mit angepasster eHealth-Portallösung
Multiple Sklerose ist die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Bei rund 200 000 Menschen in Deutschland wurde die Diagnose gestellt. Eine frühzeitig begonnene Therapie kann den Verlauf günstig beeinflussen. Sie ist jedoch mit einem hohen Begleitungs- und Überwachungsaufwand verbunden. Für das seit April 2017 laufende Telemedizin-Projekt „Integriertes Betreuungsportal Multiple Sklerose“ soll das vom MS-Zentrum in Dresden entwickelte und in Deutschland breit angewendete Multiple Sklerose Dokumentationssystem (MSDS3D) mit der bestehenden Telemedizin-Infrastruktur CCS Telehealth Ostsachsen verbunden werden. In der neuen einrichtungsübergreifenden elektronischen Akte sind Untersuchungsergebnisse besser verfügbar und die international etablierten Experten des Dresdner MS Zentrums können die behandelnden Ärzte leitliniengerecht konsiliarisch unterstützen.

Fachgerechte und sichere Hilfeleistungen bei Traumata
Belastende Erlebnisse wie schwere Unfälle, Naturkatastrophen, körperliche und sexuelle Gewalt, Krieg, Folter oder Flucht, können die Psyche verletzen und Traumafolgestörungen verursachen. Wird die Hilfe für Betroffene inhaltlich nicht abgestimmt, ist eine leitliniengerechte Diagnostik und Behandlung erschwert. Wie das „Telemedizinische Netzwerk Psychotraumatologie Sachsen“ funktioniert, erklärt Dr. med. Julia Schellong, Leitende Oberärztin und Oberärztin Psychotraumatologie der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Dresden, an einem Beispiel.

So funktioniert das Telemedizinisches Netzwerk Psychotraumatologie Sachsen (TeleNePS).
So funktioniert das Telemedizinisches Netzwerk Psychotraumatologie Sachsen (TeleNePS).
„Bei einem Überfall auf ein Ehepaar wird die Frau von Unbekannten erstochen. Der Ehemann wird vom Rettungsdienst in die Uniklinik gebracht und von einem Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams begleitet. Im Krankenhaus entwickelt der Mann auch psychische Beschwerden im Sinne eines Schockschadens. Der Chirurg verweist in die Traumaambulanz. Dort kann sich der Mann beraten lassen. Dank des Opferentschädigungsgesetzes stehen ihm mindestens fünf Stunden zur Sachverhaltsaufklärung zu. Auf der THOS-Plattform wird eine virtuelle Trauma-Akte angelegt. In diese werden auch vom Kriseninterventionsteam mit einer digitalen Checkliste gesammelte Informationen aufgenommen. Damit lässt sich der objektive Umstand des Ereignisses sowie das subjektiv von außen beobachtete Verhalten des Patienten nachvollziehen und in der Therapie nutzen. In der Traumaambulanz wird eine qualitätsgesicherte intensive Diagnostik mit digitalen Fragebögen durchgeführt und gespeichert. Maschinelle Auswertungshilfen können kritische Score-Werte und Traumafaktoren identifizieren. Der Mann erhält zunächst eine leitliniengerechte Behandlung in der Traumaambulanz und ergänzend eine mobile App für sein Smartphone. Diese liefert ihm einfache und selbst zu bewältigende Unterstützungsangebote, beispielsweise Entspannungsübungen. Der Patient soll nach der Behandlung mit seinem Hausarzt in Kontakt bleiben und auch längerfristig etwaige Beschwerden überwachen. Auf Wunsch des Patienten kann der Hausarzt einen Zugang zur Trauma-Akte erhalten und sich damit fachliche Unterstützung sichern. Außerdem kann sich der Hausarzt auf der THOS-Plattform allgemein zum Thema Trauma informieren, zum Beispiel in Webinaren.“

Das seit April 2017 laufende Projekt „Telemedizinisches Netzwerk Psychotraumatologie Sachsen“ läuft bis März 2020. Die Telearbeitsplätze und ein Therapieraum werden auf dem Gelände des Dresdner Uniklinikums eingerichtet. Begleitforschung zum Nutzen und zur Nutzerfreundlichkeit der entwickelten Tools ist geplant.