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Verein deutscher Akademiker aus Ungarn e.V. (DU)
Tamás Bornemissza

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Internationale Alumniwochen

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Stimmt die Chemie? Doppelkultur verbindet
Jens Bemme

Doppelt kulturelle Bindungen prägen das Leben internationaler Absolventen besonders. Mit dieser Erklärung des Begriffs der Doppelkultur” nahm Tamás Bornemissza – Absolvent des Bauingenieurwesens aus Ungarn – ein wichtiges Fazit der Internationalen Alumniwoche gleich am zweiten Workshoptag vorweg.

Tamás Bornemissza ist der Vorsitzende des Vereins deutscher Akademiker aus Ungarn e.V. (DU). Etwa ein Drittel der 1 200 Mitglieder sind Absolventen der TU Dresden. Hier antwortet Tamás auf Fragen von KONTAKT-online rückblickend auf die Tage in Dresden:

© Robert Lohse; Tamás Bornemissza (r.) in angeregter Diskussion mit Minh-Tan Nguyen aus Vietnam
© Robert Lohse; Tamás Bornemissza (r.) in angeregter Diskussion mit Minh-Tan Nguyen aus Vietnam


Du leitest den ungarischen Verein deutscher Akademiker aus Ungarn. Mit welchen Alumni-Themen bist Du nach Dresden gekommen?
Dazu gibt es so viel zu sagen, dass wir eine 30 km-Wanderung machen müssten, um einiges zu beleuchten. Uns hat die Uni etwas anders sozialisiert als es mit den heutigen Studenten geschieht. Damals gab es noch Seminargruppen, die vier bis fünf Jahre zusammen studiert und Sport gemacht haben, Ausflüge organisiert und menschlich intensive Kontakte gehabt haben. In den letzten 15 Jahren ist alles individualistischer geworden, Hunderte von virtuellen Kontakten ‚blühen‘ (nur) auf der Oberfläche. Früher zählten andere Arten von menschlichen Beziehungen, heute ‚opfern‘ wenige Leute für Alumnivereine ihre Zeit. Unser Ziel ist es, den Jüngeren eine Möglichkeit bereitzuhalten wenn sie doch etwas anderes erleben möchten.

„Freunde bleiben!” sei das zentrale Motiv seiner Arbeit, meint Tamás Bornemissza gefragt nach den Zielen im Verein. Bewusst sei ihm, dass sich die Erwartungen älterer und jüngerer Generationen unterscheiden.  

Du hast am Anfang der Alumniwoche vom ‚Vorteil Doppelkultur‘ gesprochen. Was meinst Du damit genau?
Mit doppelter kultureller Bindung meine ich: In vier bis fünf Jugendjahren lernt man nicht nur die Sprache, sondern auch die Seele kennen. Man träumt und weint auch auf deutsch. So kann man vieles viel besser verstehen. Wir alle sollten sehr glücklich über diese Chance ‚Auslands(voll)Studium‘ sein und der sich dadurch ergebenden gesellschaftlichen Verantwortung auch gerecht werden: Andere Blickwinkel und Betrachtungsweisen überall im Leben einbringen; nicht auf Wettkampf, sondern auf Kooperation zielen; nicht das Trennende, sondern das Gleiche beleuchten; klare Definitionen schaffen und Meinungen / Werte offen diskutieren, aber nicht deklarieren. Und dies öffnet die Türe auch zu weiteren Menschen / Nationen das ist das Schönste an der Sache! Klar wird die Sache aber erst, wenn man mit seiner eigenen Lebensführung seine Meinung vertritt.

Auf die Frage nach gemeinsamen Projekten und Zielen, die Alumni-Arbeit voranbringen kann, reagiert Tamás Bornemissza zurückhaltend. Der Verein deutscher Akademiker aus Ungarn habe sich bewusst entschieden, Aktivitäten immer dann zu starten, wenn Aktive für eine Idee selbst Verantwortung übernehmen. So sei schon manche Überforderung und Enttäuschung verhindert worden.

‚Und dazu ein Bier‘ wurde in einem der Workshops fast zum geflügelten Wort. Ist das Teil Deiner Doppelkultur?
‚Dazu ein Bier‘ bedeutet einerseits, dass wir Möglichkeiten anbieten, wo man sich ruhig unterhalten kann – eine Flasche Bier kann auch unterwegs beim Wandern getrunken werden. Zweitens: Betonung auf EIN Bier – also keine Sauferei und keinesfalls fremdfinanziert!


Näheres zum „DU” auch unter: Deutschland und Ungarn im akademischen Herzen, Kontakt 2/2012