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Universitätsklinikum Dresden
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Praxis und Weiterbildung

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In grün sind alle gleich
Dagmar Möbius

Als im Sommer 2018 das neue OP-Zentrum am Uniklinikum Dresden eröffnet wurde, konnten viele Menschen der Region und überregional in den Medien plastisch nacherleben, was dieses moderne Haus so besonders macht, ohne selbst vor Ort zu sein. Einen bedeutenden Anteil daran haben Medizin- und Wissenschaftsfotografen – Spezialisten, deren Arbeit von Patienten selten wahrgenommen wird.

© D. Möbius; Marc Eisele, Leiter des MedienZentrums am Universitätsklinikum Dresden
© D. Möbius; Marc Eisele, Leiter des MedienZentrums am Universitätsklinikum Dresden
Marc Eisele, Leiter des MedienZentrums am Universitätsklinikum Dresden, hatte seine in der Sektion Medizin- und Wissenschaftsphotographie der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) organisierten Kolleginnen und Kollegen im Oktober 2018 in die sächsische Landeshauptstadt eingeladen. Zum ersten Mal hielten sie ihre zweitägige Jahrestagung in Dresden ab. Mehrere Experten der TU Dresden referierten über spannende Aspekte der fotografischen Arbeit.


Chirurgen sind visuelle Typen


Professor Stefan Rammelt vom UniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie erläuterte den aus dem ganzen Bundesgebiet angereisten Experten die Medizinersicht der Operationsfotografie. „Es kommt auf das Wesentlichste an“, sagt er. „Chirurgen sind visuelle Typen.“ Medizinfotografen helfen den Ärzten, Sachverhalte zu zeigen, die man im schwarz-weißen Röntgenbild nicht sieht. Zudem dienen die Aufnahmen der Dokumentation und wissenschaftlichen Zwecken. Mit Bildern des Dresdner Fotografen Thomas Albrecht demonstrierte Rammelt den vor- und nachoperativen Verlauf einer schweren Fußgelenksverletzung. Gute Technik macht noch keine guten Fotos. Das wissen alle im Hörsaal. Dennoch lauschen sie interessiert, was der Professor über Therapie, Details, Hilfsmittel, Schärfentiefe, Dynamik, Perspektiven, Vorher-Nachher-Vergleiche und dreidimensionales Manöver-Denken für wissenschaftliche Publikationen referiert. Rammelt ruft die professionellen Medizinfotografen des Uniklinikums, wenn seltene Operationsbefunde oder „Überraschungsbefunde“ dokumentiert werden sollen. „Für normale Standard-OP’s nicht.“ Eine eigene Kamera ist für alle Fälle immer dabei. „Wir sind darauf angewiesen, dass jemand schnell umsetzt, was man braucht, zum Beispiel Schärfe“, sagt Rammelt. Zudem darf ein OP-Fotograf niemanden unsteril machen, das Team sollte eingespielt sein.

© D. Möbius; Professor Stefan Rammelt vom UniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie des UKD, im Gespräch mit Fotograf Friedrich M. Schmidt aus München.
© D. Möbius; Professor Stefan Rammelt vom UniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie des UKD, im Gespräch mit Fotograf Friedrich M. Schmidt aus München.


Software gegen gelbe Punkte und für getrennte Daten

Medizinfotografen müssen sich auch damit auskennen, wie sie in Bilddatenbanken medizinische Daten von nichtmedizinischen Daten trennen und trotzdem Motive wiederfinden. „Die Integration von Software in andere Systeme ist wichtig, um die Nutzbarkeit zu erhöhen“, betont der Leipziger Alexander Graeber, der verschiedene Datentrennungsmöglichkeiten vorstellte. Über Gefahren wie Datendiebstahl, Identitätsdiebstahl, digitale Erpressung, Botnetze oder DDOS-Angriffe informierte Mike Zimmermann, IT-Sicherheitsbeauftragter am Universitätsklinikum Dresden. Seine wichtigste Botschaft: „IT-Sicherheit ist nicht nur eine Aufgabe der IT-Abteilung. Dazu gehören Nutzer- und Medienkompetenz.“

Ist ein Dokument echt oder wurde es bereits mehrfach genutzt? Was Versicherungsdetektive umtreibt, beschäftigt auch Informatiker. „Gerätespezifische Forensik“ ist das Spezialgebiet von Diplom-Medieninformatiker Stephan Escher vom Lehrstuhl Datenschutz und Datensicherheit der TU Dresden (TUD). Der Gedanke daran, dass Fachleute wie er relativ schnell herausfinden können, auf exakt welchem Gerät ein Dokument gedruckt wurde, dürfte Kriminellen schlaflose Nächte bereiten. Potenzielle Whistleblower sollten schon einmal von sogenannte „Tracking Dots“ gehört haben. Mit diesen für das menschliche Auge nahezu unsichtbaren gelben Punkten, können Muster von Laserdruckern decodiert werden. Die TUD-Experten haben ein Anonymisierungstool für gedruckte Dokumente entwickelt, deren Software sie Interessierten zur Verfügung stellen.


© Achim Rösch/DGPh; Thomas Albrecht (Mitte) gehört zu den 1000 Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Photographie und fotografiert oft im Dresdner UniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie.
© Achim Rösch/DGPh; Thomas Albrecht (Mitte) gehört zu den 1000 Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Photographie und fotografiert oft im Dresdner UniversitätsCentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie.


„In grün sind alle gleich“

Professor Lutz Jatzwauk leitet den Zentralbereich Krankenhaushygiene und Umweltschutz am Universitätsklinikum Dresden. „Die Hygienerichtlinien gelten auch beim Fotografieren im OP“, mahnt er. Aber oder gerade weil: „90 Prozent der in der Klinik auftretenden Infektionen nicht durch multiresistente Keime entstehen.“ Der zeitliche Zusammenhang einer Infektion ist zu einer solchen Beurteilung entscheidend. Die Zahlen der Krankenhausinfektionen sind nicht rückläufig. Das hat viele Ursachen: mehr multimorbide Patienten, mehr geriatrische Patienten, Frühgeborene, die vor 20 Jahren keine Überlebenschance gehabt hätten, neue Therapieverfahren, mehr invasive Diagnostik und Therapie oder hygienisch schwierig aufzubereitende Medizintechnik. Personalmangel, mangelnde Arbeitseinstellung (zum Beispiel bei Leiharbeitern) und eine Krankenpflegeausbildung, in der das Fach Hygiene anders als früher kein Prüfungsfach mehr ist, spielten eine Rolle.

Medizin- und Wissenschaftsfotografen im OP sind von den gültigen Hygieneregeln nicht ausgenommen. „Der geschleuste Bereich gilt für alle und alles, in grün sind alle gleich“, so Jatzwauk. Alle Utensilien müssen desinfiziert werden können. Vereinfacht: „Was Sie nicht nass machen können, muss draußen bleiben.“ Sich dem OP-Team vorstellen, Abstand zu den Instrumententischen halten und nur das Nötigste zu sprechen, empfiehlt er der fotografierenden Zunft. Und fügt schmunzelnd hinzu: „Eine ordentliche Händedesinfektion macht einen super Eindruck.“

© Achim Rösch / DGPh "In grün sind alle gleich." Das galt für die Medizin- und Wissenschaftsfotografen auch praktisch im OP-Saal. In einem Workshop übten sie mit Marc Eisele (4. von rechts) an einem Dummy das Fotografieren und Videofilmen.
© Achim Rösch / DGPh "In grün sind alle gleich." Das galt für die Medizin- und Wissenschaftsfotografen auch praktisch im OP-Saal. In einem Workshop übten sie mit Marc Eisele (4. von rechts) an einem Dummy das Fotografieren und Videofilmen.



Die Deutsche Gesellschaft für Photographie e.V. (DGPh) wurde 1951 in Köln gegründet. Die ideelle Organisation begleitet und reflektiert den technologischen Wandel photographischer Praxis und Rezeption kritisch. Sie fördert die Weiterentwicklung von Bild- und Medienkompetenzen. Die DGPh hat rund 1000 Mitglieder, die sich in den Sektionen „Bild“, „Bildung“, „Geschichte und Archive“, „Kunst, Markt und Recht“, Medizin- und Wissenschaftsphotographie“ und „Wissenschaft und Technik“ engagieren. Mitglieder werden durch Empfehlung aufgrund besonderer Verdienste um die Photographie und deren Förderung in die Gesellschaft berufen.