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ZOLAR GmbH
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Vision: Einfach Sonnenstrom von jedem Dach
Dagmar Möbius

Alexander Melzer studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Dresden. Nach ersten Jahren der Berufspraxis im In- und Ausland gründete der gebürtige Thüringer 2016 in Berlin ein Start-up im Bereich der Erneuerbaren Energien. Das Ziel: eine Firma, die auf jedes Hausdach eine Solaranlage baut.

Herr Melzer, wie weit sind Sie mit Ihrem Vorhaben gekommen?

Archiv zolar; Als Gründer und Geschäftsführer der ZOLAR GmbH ist der 34-jährige Alexander Melzer heute Chef von 80 Mitarbeitenden.
Archiv zolar; Als Gründer und Geschäftsführer der ZOLAR GmbH ist der 34-jährige Alexander Melzer heute Chef von 80 Mitarbeitenden.
Wir wollen auf jedem Dach der Welt eine Solaranlage installieren, um die Menschen unabhängiger zu machen und einen aktiven Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. Als wir vor rund drei Jahren an den Start gingen, waren wir mit zolar der erste Anbieter in Deutschland, der individuell geplante Anlagen über das Internet anbot. Möglich machte das unser Online-Konfigurator, in dem Interessenten die einzelnen Komponenten einer Solaranlage ihren Wünschen entsprechend anpassen können. Das war für sie eine vollkommen neue Erfahrung. Wir mussten erst herausfinden, ob Menschen überhaupt bereit sind, eine Solaranlage über das Internet zu erwerben. Die ersten verkauften Anlagen und positiven Kundenstimmen gaben uns Recht: Die Idee funktionierte. Seitdem perfektionieren wir Produkt und Technologie stets und sind auf rund 80 Mitarbeiter gewachsen. Unsere Ziele für dieses Jahr sind klar gesetzt: Wir wollen deutschlandweit mehrere Tausend Anlagen installieren und einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich generieren. Wir sind sehr stolz darauf, was wir in den vergangenen drei Jahren als Team geleistet haben. Doch wir müssen und werden weiterwachsen, um den Ausbau der Photovoltaik noch stärker voranzutreiben!

Was bedeutet es konkret für Sie, die Firma aufzubauen?
Eine typische Woche hat circa 60 Stunden Arbeitszeit. Unser Fokus bei zolar ist aktuell noch Deutschland, so dass ich zum Glück nicht so viel reisen muss. Besondere Freude bereitet es mir, das Unternehmen jeden Monat weiter wachsen zu sehen und jeden Monat ein neues, vorher als nicht erreichbar deklariertes Ziel doch zu knacken. Sehr erfreulich sind glückliche Kunden, die uns weiterempfehlen. Zukünftig soll jeder seinen eigenen Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken können. Nur so können wir die schlimmsten Folgen der Klimakrise noch aufhalten.

Zurück zum Studium. Warum haben Sie sich für das Studium Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Dresden entschieden?
Ich interessiere mich für vieles und konnte mich nach dem Abitur nicht festlegen, ob ich Technik oder Wirtschaft studieren wollte. Wirtschaftsingenieurwesen ist sehr breit gefächert – man arbeitet sich schnell in die unterschiedlichsten Themen ein und wird umfassend ausgebildet. Die TU Dresden (TUD) galt bei meinem Studienbeginn 2003 schon als eine sehr gute technische Universität und ich wollte unbedingt eine sehr gute technische Ausbildung haben. Außerdem gefielen mir der Campus und die Atmosphäre bereits ab dem ersten Tag. Ein weiterer Faktor waren die Lebenshaltungskosten in Dresden, die noch bezahlbarer als zum Beispiel in München oder Karlsruhe waren.

Was nützen Ihnen Ihre im Studium erworbenen Kenntnisse/Fähigkeiten heute?
Ohne das Studium an der TUD wäre ich heute nicht dort, wo ich bin. Wichtig war auch die Möglichkeit, im Jahr 2005 für ein Jahr nach Mexiko ins Auslandsstudium zu gehen und vor allem in vielen technischen Bereichen sehr schnell tiefe Kenntnisse zu erlangen. Ich habe nicht nur Kurse zu erneuerbaren Energien gemacht, sondern auch in Reaktortechnik, Hochspannungstechnik, Kraftwerkstechnik oder zu elektrischen Maschinen. Aber auch das wirtschaftliche Studium – insbesondere die harte Schule bei Professor Thomas Günther im Controlling – war Weltklasse.

Wann stand für Sie fest, dass Sie im Bereich Photovoltaik arbeiten möchten? Warum?

Ich arbeitete schon ab 2007 als Werkstudent bei einem Hersteller von Solarmodulen in Dresden und bekam dort studienbegleitend tiefe Einblicke in die faszinierende Branche. Bei Professor Günther habe ich auch meine Diplomarbeit zum Thema „Target Investment im Anlagenbau am Beispiel einer Investition in ein schlüsselfertiges Photovoltaikkraftwerk im chilenischen SING Stromnetz“ geschrieben. Diese wurde übrigens international in der Photovoltaik- Branche ausgezeichnet.

Nach Ihrem Studienabschluss 2012 zog es sie aber zunächst in die Welt …
Während meines Studiums war ich als Produktmanager im Bereich International Sales bei der Solarwatt AG tätig. Nach Abschluss meines Studiums wechselte ich nach Kanada und baute dort als einer der ersten Angestellten den Projektentwickler Soventix Canada mit auf, worauf ich nach zwei Jahren dort Geschäftsführer wurde. Mitte 2014 habe ich entschieden, ein Sabbatical zu machen und bin für ein Jahr um die Welt gereist. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland Anfang 2016 habe ich mit meinem Studienfreund Gregor Loukidis Zolar in Berlin gegründet.

Was brauchten Sie, um so ein ambitioniertes Vorhaben erfolgreich anzugehen?

Meine Motivation war und ist es, dem Klimawandel aktiv zu begegnen. Unsere Mission bei zolar ist, es jedem Hausbesitzer zu ermöglichen, seinen eigenen sauberen und kostengünstigen Solarstrom herzustellen und zu einer lebenswerten Zukunft beizutragen. Wir liefern einfache Lösungen für das vielleicht größte Problem der Menschheit.

Sie verstehen sich als digitalen Handwerksbetrieb. Wie darf man sich das praktisch vorstellen?

Zolar bietet Photovoltaikanlagen zum Festpreis an. Mit einem von uns entwickelten Online-Konfigurator können Hausbesitzer die Komponenten ihrer Solaranlage nach ihren Wünschen anpassen. Zudem beraten unsere Solarexperten individuell. Unsere Installationsteams oder unsere Netzwerkpartner montieren die Anlagen vor Ort – bundesweit. Der mit den Anlagen produzierte Strom kann für den täglichen Bedarf im Haushalt und/oder für Elektromobilität genutzt werden. So sollen Menschen unabhängiger vom Stromnetz werden. Jeder kann die Energiewende mit den eigenen vier Wänden vorantreiben, dabei eigene Kosten senken und den eigenen CO2-Fußabdruck reduzieren.

© Pixabay; Maßgeschneidert wie Bekleidung sind die Solaranlagen von zolar für die Wünsche der Hausbesitzer.
© Pixabay; Maßgeschneidert wie Bekleidung sind die Solaranlagen von zolar für die Wünsche der Hausbesitzer.

Welche andere Option außer Gründer und CEO hätte Sie gereizt?

Manager in einem großen Konzern war nie eine Option für mich. Ich habe mich sechs Monate in einem großen Konzern probiert und festgestellt, dass ich dafür zu ungeduldig bin. In mir besteht der starke Wille, etwas anzupacken und zu verändern.

Wie viele Mitarbeitende hat Ihr Unternehmen heute und wer hat Chancen, von Ihnen eingestellt zu werden?
Bei uns arbeiten mehrere TUD-Absolventen, zum Beispiel eine Ingenieurin für Regenerative Energiesysteme als Solarprodukt-Managerin. Wir würden uns freuen, in Zukunft mehr Bewerbungen von Absolventen der TUD zu bekommen und diese bei uns einzustellen. Gute Chancen haben Menschen, die aktiv zum Klimaschutz beitragen wollen. Denn nur so passen sie in unsere Kultur und haben die notwendige intrinsische Motivation, die täglichen Herausforderungen zu meistern.

Was möchten Sie potenziellen Führungskräften mit auf den Weg geben?
Zwei praktische Tipps, die mir ein Professor an der TUD gegeben hat, waren: möglichst schnell im Zehn-Finger-System zu schreiben und absolut perfekt in mindestens drei Sprachen zu sein. Wichtig in der heutigen Start-up-Kultur ist es, Mitarbeiter an etwas Großem teilhaben zu lassen. Wir als zolar wollen nichts Geringeres, als das Problem des Klimawandels lösen. Sicherlich klingt das erst einmal irrational und idealistisch. Wenn man es aber runterbricht und Bewegung schafft, so dass am Ende wirklich auf jedem Dach der Welt eine Solaranlage steht, sind wir der Lösung der Klimakrise schon ein ganzes Stück nähergekommen. Wichtig ist mir, dass jeder Mitarbeiter am Ende des Tages nach Hause gehen kann und weiß, er oder sie hat heute wieder ein kleines Stück dazu beigetragen, der großen Vision ein bisschen näher zu kommen. Unsere Generation und vor allem die Generation, die gerade studiert, möchte eine Arbeit mit Sinn haben; einen Sinn, der etwas Größerem dient als nur Geld zu verdienen, wichtige Titel oder einen großen Dienstwagen zu haben.

Abschließend eine typische Personaler-Frage: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Würde Sie eine Rückkehr in die Wissenschaft oder in die Lehre reizen?
Leider hat mich die Wissenschaft oder die Lehre nie gereizt, obwohl ich mir eine Rolle als Gastdozent schon gut vorstellen könnte. Wichtig ist es mir, in zehn Jahren zurückzuschauen und festzustellen, dass wir mit zolar wirklich etwas bewirkt und es jedem Einzelnen ermöglicht haben, sauberen Solarstrom zu erzeugen.

Archiv zolar; Solartechnik faszinierte Alexander Melzer bereits während des Studiums.
Archiv zolar; Solartechnik faszinierte Alexander Melzer bereits während des Studiums.