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Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH
Geschäftsführer Dipl.-Ing. Heiko Loroff
Magdeburger Straße 58
01067 Dresden
Tel.: 0351/ 4982-200
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https://tu-dresden.de/bu/verkehr
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Logistikexperte für binationale Binnenhäfen
Dagmar Möbius

Hätte der Mauerfall nicht stattgefunden, würde Heiko Loroff heute vielleicht Maschinen für die Schmuckindustrie bauen. Doch in der Wendezeit musste er sein Erststudium aufgeben und die Fachrichtung wechseln. Darüber ist der Diplom-Ingenieur für Citylogistik heute sehr froh: er leitet seit sieben Jahren einen länderübergreifenden Firmenverbund und ist für mehrere Binnenhäfen in Sachsen und Tschechien zuständig.

© privat; Heiko Loroff ist Diplom-Ingenieur für Citylogistik. Er leitet den Unternehmensverbund der sächsisch-tschechischen Binnenhäfen.
© privat; Heiko Loroff ist Diplom-Ingenieur für Citylogistik. Er leitet den Unternehmensverbund der sächsisch-tschechischen Binnenhäfen.
Eine betriebliche Delegierung vom früheren VEB Ostseeschmuck führte Heiko Loroff 1990 von der Küste zum Maschinenbau-Studium an die TU Dresden. Einst bedeutender Schmuckproduzent und Exportlieferant der DDR, kam es nach der politischen Wende zu massiven Veränderungen in dem nun seit 1992 privatisierten Unternehmen. Für den gebürtigen Ribnitz-Damgartener bedeutete das jedoch nach einem Jahr das Ende seines Studiums. „Gleichzeitig war es aber ein Neubeginn“, berichtet der 50-Jährige. „Da ich mich schon immer für Verkehrswesen interessierte, wechselte ich 1991 an die Hochschule für Verkehrswesen und belegte den neu gegründeten Studiengang Logistik“. Nach dem zweijährigen Grundstudium setzte Heiko Loroff sein Studium an der Fakultät Verkehrswissenschaften der TU Dresden fort.

„Eine gute Entscheidung“, sagt er und lobt die praxisorientierte, damals noch weitgehend unbekannte, innovative Ausbildung mit nur wenigen Studierenden. Auf dem Studienplan standen Eisenbahntechnik, Fabrikplanung und Nahverkehr, Verkehrs- und Raumplanung, Lagerlogistik und vieles mehr. An Professor Siegfried Rüger († 2007), bei dem Heiko Loroff alles Wichtige zum Stadt- und Regionalverkehr hörte, denkt er gern zurück. Auch an die riesige Modelleisenbahnanlage (heute Eisenbahnbetriebslabor) mit ihren fünf Bahnhöfen erinnert er sich und stellt klar: „Das war keine Spielerei, wir lernten dadurch, wie Bahnbetrieb funktioniert.“ Seine Diplomarbeit schrieb der Logistiker in einer Dresdner Spedition. Er stellte ein Qualitätsmanagementsystem auf, überarbeitete alle nötigen Dokumente und sorgte dafür, dass das Unternehmen nach ISO 9001 zertifiziert werden konnte. „So wurde ich mit dem Diplom auch ausgebildeter Qualitätsmanager“, scherzt er. Kein Wunder, dass ihn die Firma nach dem Studium direkt als Niederlassungsleiter einstellte.

Nach einem Jahr lockte Heiko Loroff jedoch eine größere Herausforderung – 1998 wurde er Logistikleiter bei der Kronospan GmbH Lampertswalde, die damals neue Wege der Ver- und Entsorgung beschreiten wollte. „Hier habe ich alles aus dem Studium gebraucht, wirklich alles“, sagt er. „Vom Luft- und Seerecht über Lagerlogistik bis Transport- und Zollrecht und Englisch.“ Heiko Loroff arbeitete bis zu 16 Stunden am Tag und war weltweit unterwegs. In den USA baute er beispielsweise zwei Lagerhäuser für den Arbeitsplatten-Spezialisten auf, die online von Deutschland aus betrieben wurden. „Darauf bin ich als Ostdeutscher stolz“, sagt er und: „Die zehn Jahre haben mir später alle Türen geöffnet.“ Der Diplom-Ingenieur wollte sich weiterentwickeln und wurde 2009 Niederlassungsleiter bei der Kühne & Nagel GmbH & Co.KG. Hier war er für weltweite Schwerlastlogistik zuständig und betreute drei bis vier Niederlassungen. Fabrikverlagerungen oder der Auf- und Abbau von Solaranlagen gehörten zu seinem Aufgabengebiet.

© SBO; Luftbild des Alberthafens Dresden. Von hier aus lenkt Heiko Loroff die Geschicke von sechs Häfen zwei Ländern.
© SBO; Luftbild des Alberthafens Dresden. Von hier aus lenkt Heiko Loroff die Geschicke von sechs Häfen zwei Ländern.

Nach drei Jahren las Heiko Loroff zufällig eine Stellenanzeige. Die Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH, eine Tochter des Freistaates Sachsen, hatte eine/n neue/n Geschäftsführer/in ausgeschrieben. Den Betrieb kannte er schon aus seiner Studienzeit, er hatte als Kraftfahrer im Hafen gearbeitet. „Die suchen ja mich“, sagte er zu seiner Frau und er sollte Recht behalten. Schon am nächsten Tag wurde er eingeladen und konnte sich in einem aufwändigen Assessmentverfahren gegen 60 Bewerber durchsetzen. Seit 2012 führt Heiko Loroff vier deutsche Häfen in Dresden, Riesa, Torgau und Roßlau, seit 2013 zusätzlich die tschechischen Binnenhäfen in Decin und Lovosice. Zudem fungiert er als Aufsichtsrat für den Dessauer Hafen.

Als Geschäftsführer verantwortet er alle betrieblichen Abläufe und ist für 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 30 Berufsbildern, darunter auch Absolventen der TU Dresden, in zwei Ländern zuständig. Das ist anspruchsvoll, nicht nur wegen der Sprachbarrieren. Heiko Loroff spricht die Landessprache, doch er sagt: „In Tschechien zu führen, bedingt einen anderen Stil als in Deutschland. Die Menschen haben eine andere Mentalität und andere Lebensprioritäten. Sie kommen auf anderen Wegen zum Ziel als Deutsche.“ Die grenzüberschreitende Arbeit macht Heiko Loroff Spaß. „Alle Mitarbeitenden können in allen Häfen arbeiten, sie kennen sich mit derselben Technik und derselben Software aus.“ Die Fluktuation beziffert er auf nahezu Null. Fachkräftemangel kennt das Unternehmen nicht. Für eventuell freiwerdende Positionen gibt es sogar eine Warteliste. Und das obwohl keine überdurchschnittlichen Gehälter gezahlt werden. „Mir ist ein vernünftiges Arbeitsumfeld wichtig und dass sich Beruf und Familie in Einklang bringen lassen“, sagt der Vater zweier Kinder. Sein Geheimnis: „Für die Leute da sein.“ Bei potenziellen Auszubildenden darf das noch bekannter werden, denn Lehrlinge werden auch bei den sächsischen Binnenhäfen gesucht. „Als Fachkraft für Hafenlogistik lernt man in drei Jahren alles Spannende, vom Bagger- und Kranfahren über Lagerung und Ladungskontrolle bis zum Bearbeiten von Frachtpapieren und zum Rechnungswesen“, wirbt er.

© SBO; Der Binnenhafen Riesa. Alle Mitarbeitenden des Firmenverbundes können in jedem der sechs Hafen arbeiten.
© SBO; Der Binnenhafen Riesa. Alle Mitarbeitenden des Firmenverbundes können in jedem der sechs Hafen arbeiten.
Für Heiko Loroff gibt es keine typischen Arbeitstage. Jeden Morgen erwarten ihn neue Herausforderungen. Der Terminkalender ist bereits bis Ende 2020 gefüllt. „Abwesenheit gibt es nicht“, sagt der City-Logistiker, der sich selbst als Alpha-Tier bezeichnet. „Doch das ist im digitalen Zeitalter kein Problem, ich will permanent im Stoff stehen. Wir dürfen bestimmte Aufgaben nicht verpassen.“ Deshalb ist er gut vernetzt und arbeitet in zahlreichen Gremien mit, zum Beispiel seit 2013 als Vorstandsmitglied des beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur angesiedelten ShortSeaShipping Inland Waterway Promotion Center oder im Verwaltungsrat Schienengüterverkehr des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen.

Die Wissenschaft reizte den Experten, der in seiner Spezialisierung einer von wenigen im Land ist, nie. Einzelne Projekte verbinden ihn noch mit der TU Dresden. Zudem arbeitet die Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO) an zahlreichen regionalen und internationalen Verkehrsprojekten mit, die vom Land, vom Bund oder von der EU gefördert werden. So war das Unternehmen an der Logistik-Studie Sachsen beteiligt und aktuell arbeitet es am EU-Projekt CorCap mit, dass die Verkehrsverbindungen im so genannten Orient/East-Med.-Korridor verbessern möchte.

Prominenter Besuch auch für die SBO: Fürst Albert II von Monaco wurde im Juni 2018 in Dresden für sein Engagement für den Natur- und Meeresschutz mit dem Europäischen Kulturpreis Taurus 2018 ausgezeichnet. Regionale Medien, hier die DNN, berichteten.

Vermisst der gebürtige Mecklenburger das Wasser in Sachsen? „Ein bisschen Wasser ist ja hier auch, aber Heimat ist Heimat“, lacht Heiko Loroff. So oft es geht, besucht der Wahlkreischaer deshalb die Familie an der Ostsee, fährt Motorboot oder angelt. Und im Urlaub muss Wasser in der Nähe sein. Südfrankreich oder Ostsee, „aber nicht im Hochsommer“.