Artikelsuche

Rubrik: Autor:

Newsletter des Magazins


Absolventenporträts

Url senden | Seite drucken

Ezé lässt Träume Wirklichkeit werden
Anne Vetter/Susann Mayer

Ausgezeichneter Germanistik-Absolvent, leidenschaftlicher Musiker und sympathischer Brückenbauer zwischen Kulturen. Ezchial Wendtoin Nikiema aus Burkina Faso gehört auch zu den DAAD-Preisträgern der TU Dresden. Sein aktuelles Projekt: Eine Schule für Gueswendé, ein Dorf in Burkina Faso.

© W. Möhrer; Ezé Nikiema ist leidenschaftlicher Musiker.
© W. Möhrer; Ezé Nikiema ist leidenschaftlicher Musiker.
In Dresden ist Ezchial Wendtoin Nikiema vielen unter seinem Spitznamen Ezé bekannt. Eigentlich gesprochen, wie geschrieben – mit „e“. Die meisten haben die Aussprache aber an das englische Wort ‚easy‘ angelehnt. Vielleicht, weil es so gut zu der Leichtigkeit und Lebensfreude passt, die Ezé ausstrahlt. Dabei hat der junge Mann aus Burkina Faso in den vergangenen Jahren ein Programm absolviert, das schwindlig werden lässt. Seit 2016 studierte der 27-Jährige am Institut für Germanistik der TU Dresden (TUD) im Masterstudiengang Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften. Im Juli 2018 schloss er das Studium mit Bestnoten ab. Für seine Masterarbeit „Zur Arbeit mit Musik im DaF-Unterricht: Möglichkeiten und Potenziale anhand einer Fallstudie in Burkina Faso" erarbeitete Ezé Nikiema im Herbst 2017 die Theorie. Im Dezember 2017 folgte der Praxistest in dem westafrikanischen Land.

Als wäre das nicht Herausforderung genug, engagiert sich Ezé Nikiema für mehr Bildung und kulturellen Austausch. 2014 gründete er in Burkina Faso einen Verein zur Förderung von Bildung, Kunst und Kunsthandwerk mit dem Ziel, eine Schule aufzubauen. In Deutschland bietet er für Kinder und Erwachsene u.a. über das Projekt „Bildung trifft Entwicklung“ Workshops zur interkulturellen Bildung an und ist Referent des PASCH-Mentoring-Programms, einer Initiative des Auswärtigen Amtes zur weltweiten Vernetzung von Schulen, an denen die deutsche Sprache einen hohen Stellenwert hat.

Ezé Nikiema ist in Dresden als leidenschaftlicher Musiker bekannt und engagierte sich bei der Banda Internationale – einer Weltmusikband, die für ihren Einsatz für Respekt, Toleranz und Solidarität populär ist.

Für seine hervorragenden akademischen Leistungen und sein soziokulturelles Engagement erhielt Ezé Nikiema 2018 den DAAD-Preis der TUD – eine mit 1000 Euro dotierte Würdigung für internationale Studierende, die die Hochschulen in außergewöhnlicher Weise bereichern.

Vorgeschlagen hatte ihn Dr. Ulrich Zeuner, Lehrkraft am Lehrstuhl Deutsch als Fremdsprache (Institut für Germanistik). „Immer wieder bewundernswert ist für mich, wie es Herrn Nikiema gelang, seine sehr guten Studienleistungen mit seinem beeindruckenden gesellschaftlichen und interkulturellen Engagement zu verbinden“, sagt Dr. Zeuner. „Ich durfte seine Masterarbeit betreuen. Ich schreibe bewusst „durfte“, weil es zum einen eine Freude für mich war, mit einem so intelligenten, sehr interessierten und vielseitigen Studenten zusammenzuarbeiten. Zum anderen untersuchte Herr Nikiema ein neues Problemfeld im Bereich der Fremdsprachenvermittlung, weshalb seine Arbeit wissenschaftlich sehr interessant ist.“

Die These seiner späteren Masterarbeit, dass Musik das Lernen einer Fremdsprache erleichtert, erfuhr Ezé Nikiema zuerst an sich selbst. Nach seinem Schulabschluss in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, entschied er sich für ein Germanistikstudium. Doch mit dem Bachelor 2013 war Schluss, weil es keinen weiterführenden Master gab. „Da habe ich als Dolmetscher gearbeitet, vor allem aber der Musik Platz gegeben“, erzählt er. Nach einer Tour durch Europa reifte der Gedanke, sich für ein Studium in Deutschland zu bewerben. „Ein langer Weg“, sagt Ezé. Schon als er 2015 in Berlin den „Afrika-Sonderpreis“ für seinen „Eine-Welt-Song“ bekam, wäre Ezé Nikiema gern geblieben. „2016 hat es endlich geklappt. Ich war so unfassbar glücklich!“ Seitdem ist er fest überzeugt: „Man erlebt seine Träume, wenn man dranbleibt.“

© W. Möhrer; Mit der Dresdner Band "Banda Internationale" war Eze 2018 in seinem Heimatland Burkina Faso.
© W. Möhrer; Mit der Dresdner Band "Banda Internationale" war Eze 2018 in seinem Heimatland Burkina Faso.

Heute möchte er helfen, Träume von anderen zu erfüllen, von Kindern. Den Traum vom Lernen, von Solarenergie und fließendem Wasser, vom Zur-Schule-gehen. In einem Interview mit „People in Dresden/Leute in Dresden“ erzählt er: „Wir als Kinder durften die Schule besuchen, und ich habe das wirklich als großes Glück empfunden, weil man durch Bildung die Möglichkeit hat, sich zu entfalten. Ich glaube, dass Bildung der Schlüssel zu Entfaltung, Frieden und Entwicklung ist. Deswegen habe ich mir selbst als großes Projekt vorgegeben, mit Kindern zu arbeiten. Ich habe gedacht, das eine Schule sehr wichtig wäre, um etwas gegen das Analphabetentum zu unternehmen. Im letzten Jahr ist die Banda Comunale mit einer großen Unterstützung dazugekommen, und wir konnten mit unserer gemeinsamen Fahrt durch Burkina noch besser auf das Projekt  ‚Eine Schule für Burkina Faso´ aufmerksam machen.“

Mit seinem Song-Contest-Preisgeld sowie Büchereinnahmen kaufte er das Gelände für diese Schule. Im Sommer 2019 initiierte er mit Unterstützung des Dresdner Oberbürgermeisters Dirk Hilbert eine große Spendenaktion, bei der 24.000 € zusammenkamen, die in die Kosten des laufenden Baus einflossen. Die ersten Gebäude werden im November 2020 fertig sein, das erste Schuljahr beginnt 2021.

Auf Initiative von Ezé wurde 2019 der Verein TAM e.V. in Dresden gegründet. Dazu meint er: „TAM e.V. möchte Brücken bauen. Von Deutschland nach Burkina Faso. Von der Gegenwart in eine nachhaltige Zukunft.“ Interessierte können als neue Mitglieder oder Unterstützer bei dem Projekt Centre Warc-En-Ciel helfen. So heißt das Schul-, Ausbildungs- & Kunstzentrum in Burkina Faso, mit dem Ezé die Bildungslandschaft in seiner Heimat ein Stückchen besser machen möchte.
 

© privat; Der Schulbau geht voran.
© privat; Der Schulbau geht voran.


Update 2020:
Ich bin freiberuflicher Musiker, Sprachlehrer und Kulturvermittler in Schulen, Kitas, Behindertenwerkstätten sowie in ähnlichen Institutionen. Ich habe nach dem Studium eine Zusatzqualifzierung in einer Ausbildungsschule in Berlin absolviert und bin vom BAMF als Sprachlehrer in Integrationsschulen zugelassen. Leider habe ich schon viel um die Ohren, dass ich nur den Tätigkeiten der Musik und Workshops nachgegangen bin. Es bleibt leider nicht mehr Zeit übrig für eine feste Stelle in einer Integrationsschule.

Ich habe vor zu promovieren, ein Thema und einen Betreuer gibt es schon. Es wird ein Fernstudium sein bei Pr. Dr. Friedemann Vogel an der Universität Siegen. Das Thema lautet: „Das Afrika-Image in deutschsprachigen ästhetischen und multimodalen Massenmedien“. Das Thema ist im Feld der Germanistischen Linguistik angesiedelt (angewandte Mediendiskurs- und Imagelinguistik).