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TU Dresden
Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB)
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Campus und Forschung

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IMPRESS internationalisiert
Susann Mayer

IMPRESS heißt Internationality via Mobility Projects, Research and Educational SynergieS und soll helfen, die Lehrerbildung an der TU Dresden internationaler zu gestalten. Möglich wurde dies durch ein neues Förderprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

© R. Lohse; Teilnehmer der Auftaktveranstaltung zu IMPRESS in Dresden
© R. Lohse; Teilnehmer der Auftaktveranstaltung zu IMPRESS in Dresden

Große Freude am Zentrum für Lehrerbildung und Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB):
48 deutsche Universitäten haben sich beworben, 19 waren in der ersten Förderrunde erfolgreich. Die TU Dresden erhielt die Höchstsumme von 600.000 EUR aus dem DAAD-Programm „Lehramt International“. Damit ist sie der einzige sächsische und einer von nur drei ostdeutschen Hochschulstandorten im Förderprogramm.

Das bewilligte Projekt IMPRESS wurde im Zentrum für Lehrerbildung-, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB) entwickelt. „Mit Unterstützung des DAAD können wir nun unsere Lehramtsstudierenden dafür begeistern, Auslandsaufenthalte und interkulturelles Lernen in ihr Studium zu integrieren“, umreißt Prof. Axel Gehrmann den Kern des Vorhabens. Er ist Geschäftsführender Direktor des ZLSB. „Dazu haben wir vor, ein Partnernetzwerk aus Schulen und Hochschulen auf fünf Kontinenten zu etablieren.“ Den Studierenden sollen verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt werden, um Auslandsaufenthalte optimal in ihr Studium einzubeziehen. Das reicht von günstigen Zeitpunkten bis hin zur Anrechnung. So ist das Hospitieren an einer internationalen Schule in Vietnam ebenso möglich wie Praktika an einer deutschsprachigen Bildungseinrichtung in Argentinien. „Wir möchten mit dem Projekt die Studierenden unterstützen, nicht nur ihre Methoden- und Fachkompetenz auszubauen, sondern auch ihre interkulturellen Kompetenzen. Diese sind eine unerlässliche Vorbereitung für die Arbeit in kulturell heterogenen Klassen.“

Neben Auslandsaufenthalten sind auch internationale Sommer- und Winterkurse in Planung. „Dabei profitieren unsere Studierenden von unserem Partnernetzwerk sowie unserer Erfahrung in der Studienorganisation“, so Gehrmann weiter. Ein weiterer Schwerpunkt im Projekt ist die Internationalisierung @ home: Virtuelle Klassenzimmer und ein Expertenpool für Forschungsaustausch gehören genauso dazu wie Kurzzeitdozenturen ausländischer Wissenschaftler oder bi- und interkulturelle Lernarrangements.

Akteure:
Bei IMPRESS sind all jene Akteure und Strukturen miteinander verzahnt, die in den vergangenen Jahren den Internationalisierungsprozess der TUD geprägt haben: Die Stabstelle Internationalisierung, das Akademische Auslandsamt und das LEONARDO-BÜRO Sachsen, die Referenten Internationales und die Erasmus-Beauftragten. Tragende Institution ist das ZLSB – eine interdisziplinäre, zentrale Einrichtung der Universität. Hier werden die Lehramtsstudiengänge koordiniert und verwaltet. Zu den Aufgaben gehört es ebenso, Forschungsvorhaben und Entwicklungsprojekte im Bereich der Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung zu entwickeln, zu koordinieren und durchzuführen.

Partnernetzwerk:
Die internationalen Partner umfassen einerseits den Dresdner „Nahraum“ mit Polen, Tschechien und Österreich, und andererseits Schulen und Universitäten weltweit – unter anderem Hochschulen in Russland, USA, Japan, Vietnam, Indonesien, Israel, Jordanien, Südafrika.

© R. Lohse; Das Projektteam, v.r.n.l. Anna Lorenzana Bäumler, Julian Hoischan, Maria Richter-Babekoff (vorn), Gesine Seymer, Prof. Axel Gehrmann und Martin Neumärker
© R. Lohse; Das Projektteam, v.r.n.l. Anna Lorenzana Bäumler, Julian Hoischan, Maria Richter-Babekoff (vorn), Gesine Seymer, Prof. Axel Gehrmann und Martin Neumärker

Kontakt befragte Prof. Gehrmann nach Details des Programms.


Für Studierende gibt es seit Jahren Stipendien wie z.B. ERASMUS für einen Auslandsaufenthalt. Was genau ist das Neue im Rahmen von IMPRESS?
Das Programm soll gezielt Möglichkeiten für Lehramtsstudierende im bestehenden Kontext aufzeigen. Dazu gehören die verschiedensten Möglichkeiten, wie und wo Aufenthalte gestaltet, finanziert und ins Studium integriert werden können. Häufig wurden die besonderen Bedürfnisse der Lehramtsstudierenden bei den Mobilitäten nicht mit bedacht.

Gibt es Kriterien, nach denen die internationalen Partnerländer im Projekt ausgesucht wurden?
Wir haben dabei insbesondere auf unsere bereits bestehenden und erfolgreichen Kooperationen zurückgegriffen sowie auf die Kontakte der Bereiche bzw. der Universität.

Was bietet IMPRESS Studierenden an interkulturellen Kursen, wenn sie nur an der TUD studieren möchten?
Natürlich sollen die Lehramtsstudierenden auch von interkulturellen Kursen profitieren. Bislang sind diese noch nicht im Studium verankert. Wir planen jedoch, diese Kurse auch für unsere Studierenden zu öffnen. Vielleicht gelingt es uns auch, die Studierenden dann für kurze Praktika in unseren Nachbarländern zu begeistern. In jedem Fall wollen wir sie mit internationalen Lehramtsstudierenden, die zu Gast an der TUD sind, in Kontakt bringen.

Stichwort neue digitale Lernmethoden: Was genau verbirgt sich dahinter?
Die digitalen Plattformen ermöglichen interkulturellen Austausch, ohne die Hochschule verlassen zu müssen. Auch unsere Partner sind sehr daran interessiert, digital zu kooperieren. Wir erhoffen uns, dass wir unseren Dozentinnen und Dozenten begeistern können, gemeinsam mit unseren Partnern Seminare oder Teile davon gemeinsam digital zu gestalten.


Ende Dezember 2019 fand in Dresden die Auftaktveranstaltung zu IMPRESS statt. Teilnehmer waren 35 Experten aus den Bereichen Lehrerbildung und Bildungspolitik sowie Lehrer und Schulleiter aus 17 Ländern. Mit Frau Nguyen Thi Thu Thao und Herrn Stephanus Mulyadi waren zwei der Mitwirkenden langjährige TUD-Regionalbotschafter und daher besonders daran interessiert, die vorhandenen Netzwerke und Inhalte weiter zu entwickeln.

KONTAKT fragte nach:

Ihr nehmt als Partner am Projekt IMPRESS teil. Für welche Institution seid Ihr die Vertreter?
Thao: Ich bin Lehrkraft an der internationalen Schule „The Olympia Schools Hanoi“ und verantwortlich für Qualitätssicherung, zudem Akademischer Beirat.
© R. Lohse; Thao (r.) Ist Regionalbotschafterin für die TUD in Vietnam
© R. Lohse; Thao (r.) Ist Regionalbotschafterin für die TUD in Vietnam

Stephanus: Ich bin der Vertreter für die Merangat Foundation. Außerdem bin ich auch Vertreter für die Lehrerbildunghochschule (STKIP) Weetebula in Sumba, die Lehrerbildungshochschule Pamane Talino, in Ngabang, West Kalimantan, Schiffahrtsakademie (Akademi Maritim Nusantara) in Cilacap, Zentral Java und Atmajaya  Catholic University, Jakarta.

Was verspricht sich Eure Institution vom Projekt, und welche Angebote hat diese für das ZLSB?
Thao: Wir nehmen bereits an Forschungsprojekten zur Lehrerausbildung, am Lehrer- und Schüleraustauschprogramm teil. Wir nehmen gern qualifierte Lehrkräfte auf, mit mindestens drei Jahre Arbeitsvertrag.
Stephanus: Von dem Projekt versprechen wir uns einen Praktikumsaustausch von Studenten, Lehrern und Verwaltungsmitgliedern unserer Institutionen mit Deutschland. Ohne Zweifel wird dieser Austausch für beide Seiten menschliche und kulturelle Erfahrungen in vielfachem Sinne bringen. Vom dem Projekt versprechen wir uns auch ein gutes und breites Netzwerk mit anderen Institutionen auf der ganzen Welt.

Mit welchen Erwartungen seit Ihr selbst zur Auftaktveranstaltung gekommen?
Thao: Wir möchten gern qualifizierte Lehrkräfte im sog „stem und englisch teaching“ bekommen. Weiterhin suchen wir Brieffreunde für unsere Oberschülerinnen und -schüler von fünf Kontinenten mit Schulvertretern, die am Netzwerkaufbautreff teilnehmen. Wir interessieren uns auch für gute Pädagogik-Praktikanten. Für mich ist das Treffen ein Forum mit viel Austausch zu reichlichen Themen.
Stephanus: Zum Ersten: Diese Auftakveranstaltung gibt mir bessere Informationen zum Impress Projekt (was, wer, wie, wo, wann). So kann ich mich im Projekt gut beteiligen, damit die Ziele des Projekts erreichen werden. Zum Zweiten: Der Erfolg dieses Projekts hängt auch von einem breiten und aktiven Netzwerk mehrere Seiten oder Institutionen ab. Durch dieses Netzwerk wird die Projekterfahrung Erfolgsgeschichte, deshalb erwarte ich, dass ein Netzwerk zwischen den Teilnehmern sowie Institutionen aufgebaut wird.

©  R. Lohse; Stephanus ist Regionalbotschafter für die TUD in Indonesien
© R. Lohse; Stephanus ist Regionalbotschafter für die TUD in Indonesien

Im Zentrum des Netzwerktreffens standen neben dem internationalen Forschungsaustausch zu Fragen der Lehrerbildung auch praktische Aspekte der grenzüberschreitenden Kooperation, wie die Entsendung von Studierenden zu Praktika an Schulen im Ausland. Zum Programm gehörte zudem die Erörterung „außerschulischer Lernorte“ und interkultureller Ansätze im Unterricht. Prof. Gehrmann bilanziert: „Wir sind wirklich absolut begeistert, mit welchem Engagement wie Ideenreichtum unsere Projektpartner am ersten Netzwerktreffen für fast eine Woche teilnahmen, und auf welch fruchtbaren Boden das erste internationale Kontaktforum bei den Lehramtsstudierenden gefallen ist. Viele Studierende haben sich über einen ganzen Nachmittag mit unterschiedlichsten Schulen in der Welt vor Ort austauschen können und wir sind gespannt, wie viele Austausche sich dann bald realisieren.
Es zeigte sich auch, dass unsere ausländischen Partner dauerhaft mit der TU Dresden kooperieren und sich forschend über die Zukunft der Lehrerbildung und der Schule austauschen wollen. Sie bringen damit weltweite Erfahrung in unseren Ausbildungsstandort ein und geben durch ihre vielfältigen Schulkontakte unseren Studierenden die Möglichkeit, sich über Lösungen in Hinsicht auf Personal-, Schul- und Unterrichtsentwicklung zu informieren, wie es nicht selbstverständlich im Alltag der Hochschule gegeben ist.“