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Silvia Kapplusch

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50 Jahre Lehrerfahrung für Fachkräfte – ein Rück- und Ausblick
Silvia Kapplusch

Einen Rechner, den man auf dem Schreibtisch stellen kann – diese Vision hatte Mathematiker Nikolaus Joachim Lehmann bereits in den fünfziger Jahren. Heute zählt er mit seinem 1962 an der damals Technische Hochschule Dresden gebauten Kleinrechner D4a als Wegbereiter für das effizienteste Arbeitsgerät der Gegenwart: den Personal-Computer. N. J. Lehmann ist zudem die Gründung der Sektion Informationsverarbeitung 1969 mit dem gleichnamigen Studiengang an der TU Dresden zu verdanken.

© Archiv TUD; PC-Kabinett mit PC 1715
© Archiv TUD; PC-Kabinett mit PC 1715
Damit gehört Dresden mit Darmstadt, Karlsruhe, München und Saarbrücken zu den deutschen Standorten, an denen 1969 die ersten universitären Informatikstudiengänge etabliert wurden. Das 50-jähige Jubiläum haben diese fünf Universitäten gemeinsam im letzten Jahr gefeiert, und mit einer interaktiven Demonstration an ihren Universitätsstandort symbolisch den „Deutschlandcampus der Informatik 2069“ errichtet – für eine neuartige interdisziplinäre Hochschulausbildung der Zukunft.

Beispielgebend war Dresden schon immer: 1986 vereinigte sich die Ingenieurhochschule Dresden mit der TU Dresden zum Informatik-Zentrum des Hochschulwesens an der TU Dresden. Sie wurde mit einer jährlichen Immatrikulation von 400-500 Direkt- und Fernstudenten zur größten akademischen Informatik-Ausbildungsstätte der DDR. Aus dem Diplom-Ingenieur wird 1989 der Diplom-Informatiker. Im Gründungsjahr 1990 ist die Dresdner Fakultät Informatik die größte Lehrinstitution für Informatik in den neuen Bundesländern, und bildet in den vier Hauptfächern Technische Informatik, Theoretische Informatik, Praktische Informatik und Angewandte Informatik aus. Wechselnde Hochschulgesetze, der Bologna-Prozess und die zunehmende Internationalisierung haben unsere Lehre seitdem geprägt.

© Fotoarchiv der Ingenieurhochschule Dresden; BASIC-Labor
© Fotoarchiv der Ingenieurhochschule Dresden; BASIC-Labor
Absolventen schätzen das Studium an der Dresdner Informatikfakultät hoch: „Wir haben an der TU Dresden gelernt, in großen konzeptionellen Zusammenhängen und in entsprechenden Software-Architekturen zu denken. Das ist die entscheidende Basis für die Entwicklung komplexer und skalierbarer Softwaresysteme in unserer beruflichen Praxis.“ Auch für Dr. Michael Ameling, Absolvent und heute Vice President und Head of Intelligent Enterprise Technology, Central Engineering bei der SAP SE hat die Ausbildung hier mehr als nur Fachwissen gebracht: „Durch das Studium an der TUD-Informatikfakultät konnte ich mir grundlegende Fachkenntnisse und Methoden der Softwareentwicklung aneignen. In Kombination mit Praktika hat es mich vorbereitet, auf die ständig ändernden und wachsenden Bedürfnisse der Industrie flexibel eingehen zu können.“
 
Heute zeigen neun Studiengänge für 2000 Studierende – darunter drei englischsprachige Master – und das Lehramt Informatik die Vielfalt unserer Ausbildung. Ob forschungsorientiert oder praxisnah – mit unserem Lehrangebot fördern wir Neugierde und Kreativität, Offenheit und Enthusiasmus, Teamarbeit und Persönlichkeit. Das ist sicher Grund dafür, dass die Studienbeginnerzahlen an unserer Fakultät in den letzten drei Jahren stetig steigen. Und auch dafür, dass unsere Absolventen so gefragt sind. So sagt Dirk Röhrborn, Mitbegründer und Geschäftsführer der Communardo Software GmbH: „Seit vielen Jahren rekrutieren wir einen wichtigen Teil unseres Fachkräfte-Nachwuchses von der TU Dresden. Wir schätzen das exzellente fachliche und methodische Wissen aus Lehre und Forschung, welches sie in unsere Firma einbringen und das sie zu wichtigen Führungskräften und IT-Experten macht.“

Unsere Zukunft braucht Informatiker, die auch über Fachwissen in anderen Disziplinen verfügen. Neue, interdisziplinäre Studiengänge wie der Master-Studiengang „Computational Modeling and Simulation”, das Wissen aus sieben Fachgebieten bündelt, prägen die zukünftige Lehre. Für dieses einmalige Lehrkonzept erhielten aus unserer Fakultät die Professoren Ivo Sbalzarini und Stefan Gumhold den Lehrpreis 2019.

© Lucas Vogel; Robotik
© Lucas Vogel; Robotik

Zu den neuen Lehrmethoden gehört auch das im Team um Prof. Alexander Schill entwickelte Auditorium Mobile Classroom Service, das Lehrende und Lernende über ihre mobilen Endgeräte in den Vorlesungen verbindet. Roboter „Pepper“ hilft, die Mensch-Roboter-Interaktion zu verstehen. Das methodisch-multimodale Lehrkonzept Dresden Design Hub kombiniert Wissensbausteine für die Bachelor-, Master- und Doktorandenausbildung und ist Brücke zwischen grundlagenorientierter Lehrforschung und praxisorientierter Anwendung. Kein Wunder, dass die Dresdner Informatikfakultät mit fast 40 Ausgründungen zu den besten „Ideenfindern“ an der TU Dresden gehört.

Die Informatiker der Fakultät setzten auch Impulse für Veränderungen. Zu ihnen gehört Dekan Prof. Uwe Aßmann, der sich seit Jahren für eine breitere IT-Ausbildung in Sachsen einsetzt, um dem steigenden IT-Fachkräftemangel entgegenzuwirken, und der die Region zu einem attraktiven Arbeitsort für junge Unternehmen gestalten möchte. So kämpft er für eine sächsische Digitalisierungsinitiative „nu.digital“, die die Universitäten mit den Schulen vernetzen soll, um junge Menschen für zukunftsträchtige Themen zu begeistern. „Software eats the world“ – die Digitalisierung wird viele Lebensbereiche durchdringen, und da sollten Menschen gerade auch zu ihrer Ausbildung die richtige Wahl treffen.

Visionär waren auch die TU-Informatiker, die eine Technologie entwickelten, die die Abwärme der Server zum Heizen von Gebäuden nutzt und mit ihrer Idee 2011 ein Unternehmen gründeten. Heute ist Cloud&Heat mit seinen Computer-Containern, die sich schnell und modular zu großen Rechenzentren an fast jedem Ort der Welt zusammensetzen lassen und „nebenbei“ Häuser beheizen, in der Energieeffizienz weltweit führend. Für COO Dr. Marius Feldmann liegt der Erfolg auch in seinem Studium: „Die sehr praxisorientierte und breite Ausbildung an der Fakultät Informatik hat mir das ideale Fundament gegeben, um am erfolgreichen Aufbau mehrerer Hochtechnologieunternehmen mitzuwirken. Hierbei war auch das sehr gute Netzwerk rund um die Universität mit vielen spannenden Kontakten eine wichtige Komponente.“

Wir freuen uns an der Informatikfakultät auf weitere Visionäre, auf junge Menschen, die mit ihrem Studium die Welt verändern wollen, sich dabei ihrer Verantwortung bewusst sind, die Ideen umsetzen und gemeinsam mit unseren Partnern neue Technologien und Informationssysteme für die Zukunft erarbeiten werden.