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Wissenschaft und Technik

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Studio 24/7 – ein Raum für Bürger
Astrid Renger

Ein weiter, hoher Raum im Fritz-Förster-Bau. Eine junge Frau sitzt auf einem großen Hohlblockstein und zeichnet. Eine Gruppe baut an einem Modell. Eine Säge kreischt auf. Studio 24/7 heißt der Raum und war früher ein Chemiehörsaal. Jetzt ist er ein Arbeitsraum für Architekturstudenten im ersten Studienjahr.

Und Architekturstudenten waren es auch, die den Chemiehörsaal umbauten, Architekturstudenten im Baupraktikum. Der Lehrstuhl für Hochbaukonstruktion und Gebäudeerhaltung bietet seit sechs Jahren diese Baupraktika an. Prof. Christoph Schulten, Lehrstuhlinhaber, erläutert den Grund: „Für die Studenten war es in den vergangenen Jahren oft sehr schwer, Praktikumsplätze in der Baubranche zu finden, weil im Moment so wenig gebaut wird. Mein Anliegen ist es aber, dass die Studenten nicht nur am Rechner sitzen und entwerfen, sondern tatsächlich praktisch bauen."

Gebaut haben die Studenten im diesjährigen Baupraktikum die Ausstattung für einen der zehn Bürgerräume, die zum Stadtjubiläum öffnen werden. Abgetrennt ist dieser Bürgerraum vom großen ehemaligen Chemiehörsaal nur durch einen Vorhang. Entstanden sind eine gemauerte Sitzecke und einzelne Sitze aus den gleichen großen Hohlblockziegeln, die im Studio einzeln auch als Hocker genutzt werden. Ein weiterer Bestandteil des Bürgerraums sind Sitzgelegenheiten und ein Schrank aus groben Spanplatten, so genannten OSB-Platten. Zu dieser Materialwahl erläutert Florian Schneider, Architekturstudent kurz vor dem Abschluss und Praktikumsbetreuer: „Die Platten sind ein recht preisgünstiger Baustoff, deren Oberfläche nicht lackiert werden muss und trotzdem ansehnlich ist." Der Farbton der Platten findet sich außerdem im Holzfußboden wieder, ebenso wie das Ziegelrot der Hohlblocksteine das Rot der Fliesen der Fensterbänke wieder aufnimmt. Die einzelnen Sitzgelegenheiten sind variabel benutzbar. Sie lassen sich für einen Vortrag als Auditorium stellen oder auch im Kreis für Gesprächsrunden anordnen. Auch die Vorhänge, mit denen der Raum vom übrigen Studio abgetrennt ist, erlauben eine flexible Raumnutzung. Drei Wochen haben die Studenten an den Einrichtungsgegenständen gearbeitet: Eine Woche Ideenfindung, anschließend Bau der Modelle und der Ausstattung.

Die Einrichtung der insgesamt zehn Bürgerräume ist Teil des Projektes ZukunftsWerk Stadt. Markus Hecht von der Zukunftswerk Stadt erläutert das Konzept: „ZukunftsWerk Stadt bezieht sich auf die Zukunftswerkstatt des Zukunftsforschers Robert Jung, eine pädagogische Methode der Bürgerbeteiligung. Wir möchten, dass sich möglichst viele Einwohner, Institutionen und Verbände über die Zukunft Dresdens Gedanken machen und aus ihrer ganz eigenen Perspektive eine Vision für ihre Stadt entwickeln. Am Ende dieses Prozesses soll ein Zukunftsbild entstehen." Dabei ist Zukunftsbild sowohl metaphorisch als auch bildlich gemeint, erklärt Markus Hecht weiter, denn die entwickelten Visionen von Dresden sollen in Bildern der Größe 40 mal 40 Zentimetern veranschaulicht werden. Das Thema und das Medium sind bei dieser Verbildlichung freigestellt. Man kann demnach seine eigenen Vision als Text, Foto, Zeichnung oder Video einbringen. Einhundert dieser Bilder werden zum Abschluss ausgewählt, zu einem Gesamtbild zusammengefasst und ab August vor dem Kulturpalast ausgestellt. Nach dem Stadtjubiläum wird das Gesamtbild seinen Platz im Lichthof des Rathauses finden. Alle anderen Bilder stehen dann im Stadtarchiv zukünftigen Geschichtsforschern zur Verfügung.

Für die Erstellung der Bilder können auch die Bürgerräume genutzt werden. Für deren Ausrichtung konnten sich Gruppen und Vereine bewerben. Das hat auch Prof. Christoph Schulten von der Fakultät Architektur getan. Markus Hecht von der ZukunftsWerk Stadt: „Das Thema Architektur war uns sehr wichtig, weil sie die präsenteste alle Künste ist. Das spiegelt sich auch in den Diskussionen um Bauten wie die Frauenkirche oder das St.-Benno-Gymnasium wider. Die Bürger bilden sich immer dann eine Meinung und werden aktiv, wenn etwas im Stadtbild sichtbar und damit verstehbar wird. Architektur hat eine wichtige kommunikative Funktion."

Eine solche kommunikative Funktion hat auch der Bürgerraum im Fritz-Förster-Bau. Die fast räumliche Einheit mit dem Studio 24/7 ermöglicht direkte Begegnungen zwischen den Architekturstudenten und den Menschen, die den Raum für Veranstaltungen, Vorträge und oder zum Erstellen ihres Zukunftsbildes nutzen werden. Die flexiblen Sitzgelegenheiten lassen viele Aktivitäten für Einzelpersonen oder Gruppen zu. Der Raum ist 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche geöffnet, daher der Name Studio 24/7.

Nun heißt es, dem Vorhaben und dem Raum Leben einzuhauchen. Prof. Christoph Schulten plant dienstags Vorträge zu Architekturthemen, der Wirtschaftsstudent Sebastian Umlauft plant ein Bürgerbeteiligungsbüro. Markus Hecht wünscht sich, dass den Bürgerraum auch Studenten- und Mitarbeitervertreter, die Fachschaften oder das Studentenwerk für die Artikulation ihrer Themen und Anliegen im Zusammenhang mit der Zukunft der Stadt Dresden nutzen werden.