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Praxis und Weiterbildung

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Rund ums Denkmal für Architekten
Astrid Renger

„Die Themen Denkmalpflege und Altbauinstandsetzung werden im traditionellen Architekturstudium nicht in dem Maß vermittelt wie notwendig," erläutert Prof. Hans-Rudolf Meier vom Institut für Baugeschichte, Architekturtheorie und Denkmalpflege, „dabei findet im Moment mehr als Hälfte der Bautätigkeit im Bestand statt und deshalb werden in diesem Bereich auch am ehestens noch Mitarbeiter gesucht."

Für Architekten oder Planer, die sich auf diesem Gebiet weiterbilden möchten, bieten die DenkmalAkademie Görlitz und die TU Dresden deshalb das Ergänzungsstudium Denkmalpflege an.
Das Ergänzungsstudium ist in sieben Wochenblöcke gegliedert, die jeweils von Montag bis Donnerstag an den Standorten Dresden oder Görlitz stattfinden.

Der erste Block befasst sich mit den gesetzlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen für die Denkmalpflege und gibt Einblicke in die europäische Rechtslage. Einzelthemen sind dabei beispielweise die Frage, was ein Denkmal zu einem Denkmal macht, die Geschichte der Haustechnik oder auch das Bauen im ländlichen Bereich mit seinen Fachwerk- oder Umgebindehäusern. Die Teilnehmer erhalten fundierte Kenntnisse über die Bauaufnahme im Altbaubestand, über Farben und andere Materialien, die bei der Altbauinstandsetzung verwendet werden sowie über die Baukonstruktion, Ausstattung und Versorgungstechnik von Altbauten. Ebenfalls vermittelt werden die Restaurierung von Fachwerk, Fenstern, Beschlägen oder Schlössern.

Exkursionen führen die Kursteilnehmer im vierten Wochenblock nach Schloss Moritzburg, auf die Sachsenburg oder in denkmalgeschützte Gebäude in Pirna. Unter dem Titel Denkmalwerkstatt wird die Arbeit der Steinrestaurierungswerkstatt des Zwingers und die Abteilung für Malereirestaurierung an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste vorgestellt.

„Ein wichtiger Aspekt ist die integrierte Planung in der Denkmalpflege," erläutert Prof. Hans-Rudolf Meier, „denn das Zusammenspiel der einzelnen Gewerke unterscheidet sich bei der Restaurierung wesentlich von einem Neubau."

© H. Goehler; Viele Altbauten in der Dresdner Neustadt unterliegen dem Denkmalschutz - eine Herausforderung für Architekten bei der Sanierung
© H. Goehler; Viele Altbauten in der Dresdner Neustadt unterliegen dem Denkmalschutz - eine Herausforderung für Architekten bei der Sanierung
Wie wird mit dem Bestehenden umgegangen?
Ein Elektriker kann bei einer Restaurierung nicht einfach eine Wand öffnen, um Leitungen zu verlegen, denn es könnten historische Malereien oder Tapeten beschädigt werden. Solche Entdeckungen sind aber nicht immer planbar. Überhaupt bestünde in der mangelnden Planungssicherheit ein Vorwurf an die Denkmalpflege, erklärt Prof. Meier weiter. Trotzdem lohnt es sich nach seiner Auffassung oft auch aus rein ökologischen Gründen ein Haus umzubauen oder zu sanieren, denn in einem bestehenden Gebäude ist bereits eine große Energiemenge gebunden.

Ein abschließender Aspekt im Ergänzungsstudium sind Marketing und nachhaltige Nutzung. Hier spielen Fragen wie ‚Wie vermittelt man Denkmalpflege?‛ oder ‚Wie kann man Denkmalpflege in touristische Konzepte einbinden?‛ eine Rolle. Wie viel Nutzung verträgt ein Denkmal überhaupt? Dass die touristische Nutzung bis hin zu Bedrohung und Beschädigung an historischen Gebäuden führen kann, zeigen die über 1000 Jahre alten Ottonischen Malereien auf der Insel Reichenau. Die Veränderung der Luftfeuchte durch zahlreiche Besucher begünstigen die Schimmelbildung in den Räumen.

„Es gibt aber auch viele Beispiele wie maßvoller Tourismus zur Erhaltung von Baudenkmälern beiträgt. Besonders die gastronomische Nutzung von Gebäuden im ländlichen Raum steht dafür," erläutert Prof. Hans-Rudolf Meier. Ein weiteres gelungenes Beispiel für Denkmalmarketing nennt er die Straße der Backsteingotik in Norddeutschland. Einzelne Kirchen und andere Bauten entlang dieser „Straße" werden als Gesamtobjekt vermarktet und auf diese Weise profitieren kleinere Orte abseits üblicher Touristenwege von den bekannteren Stätten mit Backsteinbauten.

Die nachhaltige Nutzung von Denkmälern und Altbauten schließt im Ergänzungsstudium Denkmalpflege thematisch den Kreis, der im ersten Wochenblock mit der Frage, was ein Denkmal zu einem Denkmal macht, beginnt. Der nächste Wochenblock findet vom 18. bis 22. September 2006 an der TU Dresden statt.

    Wochenblock 1
    Gesetzliche Grundlagen und Rahmenbedingungen der Denkmalpflege, Einblicke in die europäische Rechtslage

    Wochenblock 2
    Historische Grundlagen der Baudenkmalpflege, Architektur, Kunst, Urbanistik, Baukonstruktion, Ausstattung und Versorgungstechnik

    Wochenblock 3

    Fachliche Grundsätze und Methoden der Denkmalkunde und Denkmalpflege

    Wochenblock4

    Denkmalwerkstatt und Exkursion

    Wochenblock 5
    Besondere Aspekte der Baudenkmalpflege: Archäologie, Soziologie, Materialkunde, Ökologie etc.

    Wochenblock 6
    Integrierte Planung in der Baudenkmalpflege

    Wochenblock 7
    Denkmalbaustelle und nachhaltige Nutzung, Förderung, Marketing und Tourismus