Artikelsuche

Newsletter des Magazins


TU Dresden
Institut für Lebensmittelchemie
Prof. Thomas Henle
Tel.: 0351 463-34647

zur Homepage

Campus und Forschung

Url senden | Seite drucken

Mit goldgelbem Bienensaft gegen Bakterien
PI/TUD

Im Alten Ägypten galt er als Speise der Götter. Bei Athleten der antiken Olympischen Spiele soll er sogar die sportliche Leistung verbessert haben: Der Honig. Steinzeitliche Höhlenmalereien bezeugen, dass man bereits vor 9000 Jahren vom süßen Blütennnektar gekostet hatte und ihn als Nahrung verwendete.

© Pressestelle TUD (2); Manuka-Honig soll eine besonders hohe antiseptische Wirkung haben.
© Pressestelle TUD (2); Manuka-Honig soll eine besonders hohe antiseptische Wirkung haben.
Der goldgelbe Saft ist heute nicht nur ein beliebter Brotaufstrich, sondern kann darüber hinaus auch heilend wirken. Das wussten sogar unsere Vorfahren. Schon Hippokrates lehrte, dass Honigwasser Fieber senkt. Seit Beginn des letzten Jahrhunderts wurde Honig auch wissenschaftlich untersucht und man fand heraus, dass er tatsächlich Bakterien abtötet. Warum der Bienensaft allerdings entzündungshemmend wirkt, wusste man bis heute nicht genau.

Jetzt widmen sich Wissenschaftler der TU Dresden diesem Phänomen. Thomas Henle, Professor für Lebensmittelchemie, untersucht zurzeit in Zusammenarbeit mit Gerold Barth, Professor für Allgemeine Mikrobiologie an der TU Dresden, die entzündungshemmende Wirkung von Honig. Besonders interessiert die Forscher der Honig des neuseeländischen Teebaums (Manuka-Baum, lat. Leptospermum scoparium).

Honig besteht hauptsächlich aus Fruchtzucker. Doch dieser allein ist für Bakterien nicht sonderlich gefährlich. Erst das Enzym Glucooxidase, das die Wissenschaftler bei vielen einheimischen Sorten fanden, verursacht die antibakterielle Wirkung. Es ist am Abbau von Zucker beteiligt und bewirkt, dass im Honig Wasserstoffperoxyd freigesetzt wird. Mit dieser Verbindung werden in der Medizin normalerweise Wunden desinfiziert. „Darin liegt das Geheimnis der antibakteriellen Wirkung einiger Honigsorten", weiß Professor Henle. Auf Wunden sollte man sich dennoch keinen Honig aus dem Supermarkt schmieren, warnt der Lebensmittelchemiker. Darin könnten sich nämlich auch Bakteriensporen und Pilze befinden, die möglicherweise Infektionen verursachen.

Biene auf der Manukabaum-Blüte.
Biene auf der Manukabaum-Blüte.
Im Rahmen einer Promotion am Institut für Lebensmittelchemie entdeckten die Dresdner Forscher jetzt allerdings Honigarten, deren starke antibakterielle Wirkung andere Ursachen hat – darunter auch der aus Neuseeland stammende Honig des Manuka-Baums. Seit Jahrtausenden nutzt die neuseeländische Urbevölkerung Teile des Manuka-Baumes als Heilpflanze. Deren Honig soll zudem eine besonders starke entzündungshemmende Wirkung haben. „Wir hatten sogar einen solchen Baum hier im Institut", erzählt Professor Henle, „aber der ist uns leider eingegangen".

Der Honig selbst ist angeblich so antiseptisch, dass sogar antibiotikaresistente Bakterien gegen ihn keine Chance haben. So genannter Medi-Honey aus Neuseeland, der 10 bis 20 Mal so teuer wie normaler Honig ist, wird in der ganzen Welt verkauft. In Neuseeland sind heute ganze Gegenden auf die Verarbeitung und Vermarktung des Wunderhonigs eingestellt. „Doch keiner wusste, warum dieser Honig eine so starke Wirkung gegenüber einigen Krankheitserregern hatte", erinnert sich Professor Henle.

Durch Zufall kamen die Dresdner Wissenschaftler des Rätsels Lösung auf die Spur. Nachdem man Zuckerabbauprodukte analysiert hatte, die während der Lagerung entstehen, entdeckten die Forscher Methylglyoxal – ein Zuckerabbauprodukt. In herkömmlichen Honigsorten ist eine Menge von ein bis fünf Milligramm pro Kilogramm zu finden. In Manuka-Honig wiesen die Forscher dagegen eine Konzentration von 300 bis 700 mg pro Kilogramm der stark antiseptisch wirkenden Verbindung nach. Diese Menge ist zwar stark entzündungshemmend „meiner Ansicht nach für den menschlichen Organismus aber möglicherweise nicht mehr unbedenklich," so Henle.

Dem Geheimnis dieses Honigs will der Lebensmittelchemiker jetzt auf den Grund gehen. „Es könnte sein, dass der Manuka-Baum das Methylglyoxal selbst produziert – als Schädlingsabwehr oder durch Stress," vermutet der Professor. Der Teebaum wächst unter extremer Hitze und Trockenheit, was zu besonderen Leistungen des Zellstoffwechsels führen kann. Auch Mikroorganismen von Bienen könnten eine Ursache sein. Andere Quellen sind ebenfalls möglich. „Wir werden bei weiteren Analysen von Manuka-Honig feststellen, ob Methylglyoxal in der nachgewiesenen Konzentration als Abbauprodukt der Zucker auf natürlichem Wege entstanden ist oder sogar synthetisch produziert und dem Honig anschließend beigemischt wurde", so Professor Henle.

Eine Reise nach Neuseeland soll jetzt neue Ergebnisse ermöglichen.